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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Beatrix Weber und Dr. Stefanie Lejeune
Twitter weiterempfehlen  23.08.2019

Weber: „Compliance ist in vielen Hochschulen ein Thema”

ESV-Redaktion Management & Wirtschaft
Prof. Dr. Beatrix Weber und Dr. Stefanie Lejeune (Fotos: Hochschule Hof und privat)
Compliance gewinnt für Hochschulen, Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen stetig an Relevanz. Welchen besonderen Herausforderungen diese bei der Einführung von Compliance Management Systemen gegenüberstehen und welchen Compliance-Risiken sie begegnen, darüber gaben Prof. Dr. Beatrix Weber und Dr. Stefanie Lejeune der ESV-Redaktion im Interview Auskunft.
Sie haben ein Buch über Compliance in Hochschulen, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen geschrieben. Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen diese Institutionen bei der Einführung von Compliance Management Systemen?

Beatrix Weber: Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Universitäten sind einerseits Behörden, die mit hoheitlichen Aufgaben wie der Prüfungsdurchführung betraut sind. Andererseits stehen sie in verschiedenen Märkten wie dem der Forschungsdienstleistungen im Wettbewerb mit anderen Hochschulen. Als „Wissenschaftsbetriebe“ sind sie hybride Organisationen, die in ihrer Compliance-Struktur die verwaltungsrechtlichen Verfahren wie auch risikoorientierte Prozesse abbilden müssen.

Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind in der Regel als eingetragene Vereine organisiert. Damit unterfallen sie bei wirtschaftlicher Tätigkeit an sich den Compliance-Strukturen wie Unternehmen. Als Empfänger öffentlicher Förderung sind sie aber zur Einhaltung der öffentlich-rechtlichen Vorgaben verpflichtet und damit auch beispielsweise Prüfgegenstand der Rechnungshöfe.

Inwiefern unterscheiden Sie sich von Unternehmen?

Beatrix Weber: Unternehmen dienen primär der Gewinnerzielung. Hochschulen haben die gesetzlichen Aufgaben von Lehre, Forschung, Weiterbildung und Wissenstransfer. Sie sind an Recht und Gesetz durch die Verfassung gebunden und den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verpflichtet. Der Spielraum zum Eingehen von Risiken im Rahmen von Compliance als rechtlichem Risikomanagement ist daher deutlich geringer als in Unternehmen.

Wie weit sind die Hochschulen bereits allgemein bei der Einhaltung von Compliance?

Beatrix Weber: Es gibt wenig verlässliche Zahlen hierzu. Eine Untersuchung im Jahr 2015 hat gezeigt, dass Compliance in vielen Hochschulen ein Thema ist, aber nur wenige konkrete Umsetzungsschritte für ein strukturiertes Compliance Management System ergreifen. Positive Ausnahmen gibt es immer: Zu nennen ist hier die TUM, das KIT und natürlich die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof. Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen tritt die Fraunhofer Gesellschaft positiv hervor, die sich nach dem freiwilligen Prüfstandard IDW PS 980 prüfen lässt. Sehr viel Know-how und Compliance-Aktivitäten verzeichnet trotz vieler einzelner Verwerfungen auch die Max-Planck-Gesellschaft, was nicht zuletzt auf ihren außerordentlich kompetenten Compliance-Beauftragten zurückzuführen ist.

Zu den Personen

Prof. Dr. Beatrix Weber, MLE, beschäftigt sich mit Compliance in der Hochschulpraxis, Forschung und Lehre. Sie ist Professorin für Gewerblichen Rechtsschutz und IT-Recht an der Hochschule Hof, leitet dort die Stabsstelle Compliance, die Transferstelle Recht und Lizenzen sowie die Forschungsgruppe Recht in Nachhaltigkeit, Compliance und IT. Sie konzipiert und implementiert seit Jahren Compliance Management Systeme direkt aus der Forschung in diversen Organisationen und vermittelt in Schulungen anwendungsbezogene Erkenntnisse.

Dr. Stefanie Lejeune ist Rechtsanwältin in der überörtlichen Sozietät Göhmann in Berlin und langjährige Lehrbeauftragte der Humboldt-Universität zu Berlin im Fachbereich Rechtswissenschaften. Zuvor war sie Richterin am Sozialgericht, Staatssekretärin im Ministerium der Justiz Rheinland-Pfalz und Landtagsabgeordnete. Sie ist u.a. spezialisiert auf die Beratung von Behörden und Unternehmen in den Bereichen Corporate Governance, Compliance und Korruptionsprävention.

In welchen Bereichen sehen Sie besonderen Nachholbedarf?


Beatrix Weber: Das Beispiel Max-Planck-Gesellschaft hat gezeigt, dass wir die Risikomanagementsysteme für Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ganzheitlich betrachten müssen. Technische, wirtschaftliche und rechtliche Risiken greifen ineinander. Die Verantwortung liegt bei den Hochschulen und Einrichtungen selbst. Die Wissenschaftsministerien haben sich im Zuge des New Public Management zugunsten der Eigenverantwortung und Selbststeuerung der Hochschulen weit zurückgezogen. Daher sind die Hochschulen selbst aufgerufen, Compliance Management Systeme aufzubauen und kompetente Compliance-Verantwortliche zu benennen. Zum anderen ist die Einrichtung eines internen Kontrollsystems sowie einer unabhängigen Internen Revision unabdingbar. Hier haben sehr viele Hochschulen, große und kleine, deutlichen Nachholbedarf. Neben einer unabhängigen Innenrevision ist die Rolle von externen, unabhängigen Prüforganen nicht zu unterschätzen. Den Rechnungshöfen kommt dabei eine wichtige Funktion zu. Im Zusammenspiel mit der Rechtsaufsicht durch die zuständigen Wissenschaftsministerien könnten sie Garant für eine unabhängige Prüfung werden, deren Empfehlungen an Hochschulen und die Rechtsaufsicht ein besonderes Gewicht zukommt.

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Welchen Risiken sind Hochschulen insbesondere ausgesetzt?

Stefanie Lejeune: Neben den strategischen und politischen Risiken sind es vor allem operative Risiken, mit denen sich Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen auseinandersetzen müssen. Man unterscheidet in der Risikokategorie der operativen Risiken verschiedene Risikoarten, wie Prozess-, Projekt-, technologische, soziale oder finanzielle Risiken, die unter dem Gesichtspunkt von Ursache und Wirkung untereinander in vielfältige Wechselbeziehungen treten können. Das komplexe, da hybride System von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen lässt sich am besten über Risikofelder abbilden. Typische, aber keineswegs ausschließliche Risikofelder einer Hochschule sind das Beschaffungs- und Vergabewesen, das IT-Wesen, insbesondere Datenschutz und Datensicherheit, das Personalwesen, insbesondere Bewerbungsverfahren, sowohl von Lehrenden als auch Studierenden, die Abnahme von Prüfungen und Gewährung akademischer Abschlüsse, das Haushaltswesen, die Mittelbeschaffung, die Drittmittel und das Allgemeine Betriebswesen.

Die Fortsetzung des Interviews lesen Sie hier auf COMPLIANCEdigital.de.

Compliance in Hochschulen

Autor: Prof. Dr. Beatrix Weber, Dr. Stefanie Lejeune

Hochschulen machen sich heute auf den Weg von klassischen Verwaltungseinheiten zu modernen Wissenschaftsbetrieben mit unternehmerischen Akzenten, um im internationalen Wettbewerb um Studierende und Forschungsmittel zu bestehen oder sich neuen Forschungsfeldern zu öffnen. Allerdings setzen ihnen die grundrechtlich gesicherte Wissenschaftsfreiheit, die gesetzlichen Vorgaben sowie der gesellschaftspolitische Auftrag beim Eingehen unternehmerischer Risiken enge Grenzen.

Wie der Aufbau eines wissenschaftsadäquaten Compliance-Managements gelingt, das die Einhaltung rechtlicher Pflichten, die organisatorische Effizienz und die Kommunikation aller Beteiligten verbessert, erfahren Sie in diesem Buch.

  • Ziele und Herausforderungen von Compliance-Management-Systemen (CMS) an Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen
  • Prüfungsstandards für ein CMS, u.a. nach IDW PS 980 oder ISO 19600
  • Hochschulgerechte Compliance-Risikoanalyse: Risikoidentifizierung, Risikobewertung, Steuerung und Kontrolle, mit Checkliste
  • Compliance-Funktionen: organschaftliche und persönliche Verantwortlichkeiten
  • Compliance-Maßnahmen: personell, organisatorisch und regulativ
  • Spezifische Compliance-Bereiche: eCompliance, Datenschutz, Wissens- und Technologietransfer, Personal-Compliance, Korruptionsprävention

Ein Muss für alle, die in Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit Fragen zu Recht, Compliance, Datenschutz, Korruptionsprävention, Personal, Technologietransfer, Prozessorganisation und der strategischen Ausrichtung der Hochschule befasst sind.


(ESV/ps)

Programmbereich: Management und Wirtschaft

 
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