Zwischen Produktivität und Jobrisiko: Was der KI-Boom für die Wirtschaft bedeutet
Diese Einschätzung äußerte jetzt Michael Barr, Mitglied des Board of Governors der US-Notenbank Federal Reserve, vor Ökonominnen und Ökonomen in New York. Er verwies auf aktuelle Studien wie „Generative AI at the Crossroads“, wonach KI die jährliche Produktivitätssteigerung um 0,3 bis 0,9 Prozentpunkte erhöhen könnte. Außerdem berichteten Unternehmen bereits über schnellere Entwicklungsprozesse, effizientere Softwareprogrammierung und Fortschritte in der Medikamentenforschung.
Barr skizzierte drei mögliche Entwicklungen:
- Allmähliche Anpassung: KI steigert die Produktivität, einige Jobs verschwinden, neue entstehen. Umschulungen gelingen, Arbeitslosigkeit bleibt begrenzt.
- Rasanter Umbruch: KI ersetzt in kurzer Zeit viele Tätigkeiten – auch qualifizierte Jobs. Es droht ein „jobless boom“ mit hoher Arbeitslosigkeit trotz stark wachsender Wirtschaft.
- Ernüchterung: Technische oder finanzielle Grenzen bremsen den KI-Boom. Produktivitätsgewinne bleiben moderat, stattdessen könnten finanzielle Risiken durch Überinvestitionen entstehen.
Bisher zeigten Studien nur geringe Auswirkungen auf die Gesamtbeschäftigung. Allerdings gebe es Hinweise, dass Berufseinsteigerinnen und -einsteiger in KI-anfälligen Branchen – etwa Softwareentwicklung und Kundenservice – bereits stärker betroffen sind. Viele Firmen verlagerten Aufgaben intern und setzten stärker auf Weiterbildung.
Sollte KI dauerhaft für höheres Produktivitätswachstum sorgen, könne die Wirtschaft schneller wachsen, ohne dass die Inflation steigt. Gleichzeitig dürften hohe Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur den Kapitalbedarf erhöhen.
Für Barr überwiegen langfristig die Chancen. Doch der Übergang könne schmerzhaft sein. Entscheidend werde sein, wie gut Politik und Unternehmen Beschäftigte weiterbilden und die Gewinne der KI breit verteilen.
Für Europa bedeutet das: Innovationsförderung, Qualifizierung und Regulierung müssen zusammengedacht werden. Nur mit klaren Rahmenbedingungen, Investitionen in Infrastruktur und einer aktiven Arbeitsmarktpolitik lässt sich das wirtschaftliche Potenzial von KI nutzen, ohne soziale Spannungen zu verschärfen.
Nachhaltigkeit – Verantwortung – Künstliche IntelligenzHerausgegeben von Prof. Dr. Ulf LassenNachhaltigkeit ist schon lange kein Randthema mehr, sondern eng mit verantwortungsvoller Unternehmensführung, technologischen Innovationen und dem Fortschritt der Künstlichen Intelligenz verbunden. Das Expertenteam um Ulf Lassen greift diese Entwicklungen besonders im Kontext bau-, immobilien- und energiewirtschaftlicher Fragen auf – mit Fokus u. a. auf KI als Impulsgeber für Forschung und unternehmerische Wertschöpfung sowie als Gegenstand kritischer Reflexion.
Ein spannender Einblick, der mit fachübergreifenden Analysen zu einer vorausschauenden Gestaltung von Zukunftstechnologien und einer nachhaltigen Wirtschaft beiträgt. |
Programmbereich: Management und Wirtschaft