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Virtuelle Währung - Teil 1
Twitter weiterempfehlen  20.09.2017

Bitcoins: Alternative zu klassischen Währungen?

ESV-Redaktion Recht
Bitcoins: Alternative zu klassischen Anlageformen wie Gold oder Aktien? (Foto: segenvitaly/Fotolia.com)
Bitcoins und andere sogenannte Kryptowährungen werden wie Gold als Alternative zu klassischen Währungen angepriesen. Doch was steckt dahinter? Sind diese virtuellen Währungen wirklich Geld und sind sie als Anlage geeignet? In einem zweiteiligen Beitrag gehen wir dieser Frage nach.
Der erste Teil des Beitrages stellt vor allem die Funktionsweise von kryptischen Währungen dar, hinterfragt die Geldfunktionen von Bitcoins und geht auf Spekulationsblasen ein. Vor diesem Hintergrund geht der Beitrag dann zum Teil schon auf die einzelnen Phasen der aktuellen Spekulationsblasen ein.

Wie Kryptowährungen funktionieren

Stellen Sie sich vor, ein älterer Herr macht jeden Tag ein schwieriges Kreuzworträtsel. Wenn es fertig ist, fotografiert er es und sendet das Bild mit der Lösung per E-Mail an seine Enkelkinder. Er teilt den Enkeln mit, dass er noch 1.000 Rätsel lösen möchte, wobei er wegen seines Alters damit rechnet, dass dies für ihn immer schwieriger werden wird.

Der Freund eines Enkels findet die Bilder von den Kreuzworträtseln cool. Deswegen bietet er dem Enkel an, im Tausch gegen ein solches Bild auf eine noch ausstehende Schuld von einem Euro zu verzichten. Der Enkel ist einverstanden und mailt das Kreuzworträtsel an den Freund. Um sicher zu sein, dass der Freund später nicht doch noch den einen Euro fordert, setzt er 20 Brüder, Schwestern und Cousins als Zeugen in Kopie.

Weil die „Bezahlung” per E-Mail so einfach ist, entschließt sich ein Imbiss-Besitzer solche Kreuzworträtselbilder als Bezahlung zu akzeptieren. Wenn ein Kunde mal kein Bargeld dabei hat, kann er dem Besitzer der Imbissbude auch eine E-Mail mit einem Kreuzworträtselbild schicken, dieselben Enkel des japanischen Herrn als Zeugen in Kopie nehmen. Dann erhält er seine Pommes.

Damit werden die Bilder immer beliebter. Da der alte Herr nur wenig neue produziert, trifft die steigende Nachfrage auf ein begrenztes Angebot. Die Leute tauschen die Bilder nun zu 3 Euro das Stück, was dazu führt, dass nun noch mehr Menschen solche Bilder besitzen möchten. Sie geben sie aber kaum noch für Pommes aus, sondern horten sie in der Hoffnung, dass der Wert weiterhin steigt.

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Das Wesen der Bitcoins

Diese stark vereinfachte Geschichte verdeutlicht das Wesen einer Kryptowährung und der sogenannten Blockchain, mit der Währungen ausgetauscht werden können. Ein Vorteil der Blockchain ist die Umgehung von Banken und anderer teurer Institutionen als Vertrauensintermediär. Statt zum Beispiel einer Bank die Zahlung anzuvertrauen, werden bei einer Blockchain-Zahlung bis zu 7.000 Computer als Zeugen für die Zahlung genommen. Damit gilt eine Blockchain als fälschungssicher.

Bei der inzwischen wohl bekanntesten Kryptowährung Bitcoin, ist der alte Herr in Wirklichkeit ein Unbekannter mit einem Pseudonym. Dieser hat eine Rechenaufgabe gestellt, die immer mehr Computerleistung erfordert. Wer als sogenannter Miner die Aufgabe löst, bekommt Bitcoins gutgeschrieben. Diese Aufgabe ist so konstruiert, dass bei rund 21 Millionen Bitcoin Schluss ist.

Bitcoins sind kein Geld

Entgegen der Meinung interessierter Kreise sind Kryptowährungen kein Geld, denn sie erfüllen die drei Funktionen des Geldes, nämlich Recheneinheit, Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung nur zum Teil.

Bitcoins und die Funktionen des Geldes
  • Bitcoins als Recheneinheit: Da man Güter und Dienstleistung leicht in Bitcoin ausdrücken kann, ist die Funktion der Recheneinheit erfüllt.
  • Bitcoins als Zahlungsmittel: Auch gibt es inzwischen einige Geschäfte, die Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren.
  • Keine Wertaufbewahrungsfunktion: Schaut man aber auf die wilden Kurssprünge, ist die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes sicherlich nicht gegeben. Es ist unwahrscheinlich, dass die Käufer nur den Wert aufbewahren wollen. Wer dennoch Bitcoins kauft, erhofft eher einen Gewinn. Kryptowährungen sind also ein reines Spekulationsobjekt.

Lohnendes Spekulationsobjekt?

Fraglich ist auch, ob Bitcoins einen inneren Wert haben. Dies wäre der Fall, wenn Sie einen Nutzen hätten, für den jemand bereit wäre, zu zahlen. Derzeit liegt der einzige objektive Nutzen in der Fähigkeit, mittels Blockchain, günstige und schnelle (Auslands-)Überweisungen durchzuführen. Diesen kann man aber nahezu völlig vernachlässigen. Daher stellt sich die Frage ob Bitcoins überhaupt als Anlageobjekt taugen und wenn ja, welche Anlageform sich grundsätzlich eignet:
  • Langfristige Anlage? Da es außer der Aussicht auf einen spekulativen Gewinn keinen nennenswerten objektiven Nutzen gibt, ist der Wert also allein ein soziales Konstrukt, das durch Angebot und Nachfrage einen Preis erhält. Auch Währungen, wie der Euro sind letztendlich soziale Konstrukte. Deren Eigenschaften werden aber meist durch ein staatliches Geldsystem sichergestellt. Solange Zentralbanken keine Kryptowährungen anerkennen und regulieren, ist der Nutzen als Geld also eher gering.

  • Kryptowährungen als Blase: Alle Preise von Kryptowährungen über Null stellen also eine Blase dar, die jederzeit platzen kann. Für eine verantwortungsvolle langfristige Geldanlage sind Kryptowährungen, wie Bitcoins damit definitiv nicht geeignet.

  • Nur kurzfristige Spekulation auf steigende Preise? Möglicherwiese lohnt sich aber eine kurzfristige Spekulation auf steigende Preise. Die Geschichte zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann, an spekulativen Blasen teilzunehmen. So wurden während der berühmten holländischen Tulpenblase in den Jahren 1636 und 1637 für eine Tulpe bis zum 10-fachen des Einkommens eines ausgebildeten Handwerkers bezahlt. Wer also frühzeitig Tulpen gekauft und wieder rechtzeitig verkauft hat, konnte schon damals ein Vermögen machen.
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Anfang oder Ende einer Spekulationsblase

Es geht also darum, ob wir am Anfang oder schon am Ende einer Spekulationsblase stehen. Um dies beurteilen zu können, hilft ein Blick auf die fünf typischen Phasen, die eine Blase durchläuft.

Phase 1 - Paradigmenwechsel: Als erstes kommt es zu einer Verschiebung, zu einem neuen Paradigma. Das kann eine Erfindung sein wie zum Beispiel das Internet. Aktuell führt die Finanz- und Eurokrise von 2008 und die darauf ansteigende Geldmenge bei vielen Menschen zu einem Vertrauensverlust in das Währungssystem. Dieser Vertrauensverlust führte nicht nur zu einem steigenden Goldpreis, sondern bereitete zudem den Boden für eine sichere alternative Währung. Parallel dazu kam die Kraft der Digitalisierung mit disruptiven Geschäftsmodellen von Google, Amazon, Uber, Netflix etc. zum Vorschein. Alles was digital ist, ist „hip”. Wie hip ist dann erst eine digitale Währung? 

Phase 2 - Dabeisein ist alles: In der zweiten Phase einer Blase berichten die Medien über das neue Paradigma. Mehr und mehr mutige Anleger probieren ein Investment aus und der Preis steigt langsam. Es kommt zu „Fomo” (Fear Of Missing Out), also der Angst was zu verpassen.

Bitcoins - die ideale Werbestory
Bei Bitcoins ergibt die Kombination aus Unbekanntem, der Tatsache, dass der mysteriöse Erfinder verborgen bleibt und der Vermischung von Bitcoins mit Blockchains eine tolle Werbestory:
  • Weil Bitcoins und Blockchain häufig in einem Atemzug oder sogar als Synonym verwendet werden, profitiert die „Währung” Bitcoin von der Berichterstattung über die Datenbanktechnologie Blockchain. Und über die disruptiven Auswirkungen der Blockchain wird noch sehr lange berichtet werden. 

  • Neben den Medien promoten natürlich auch all diejenigen die neuen Währungen, die an ihnen verdienen. Das sind neben den Minern und den Tauschplattformen insbesondere alle, die auch von der Angst der Menschen vor einer Währungsreform profitieren. Neben Gold haben sie jetzt ein weiteres Spekulationsobjekt.

Zur Person
Der Bankkaufmann Frank Wettlauffer hat sich schon während seines Studiums auf Geld- und Kapitalmarkttheorie spezialisiert. Nach einer 20-jährigen Tätigkeit in der Vermögensverwaltung, u.a. als Fondsmanager und Leiter der Kundenbetreuung bei einer führenden Schweizer Privatbank, arbeitet der Kapitalmarktexperte als unabhängiger Berater für institutionelle und private Anleger.

In Teil 2 lesen Sie:  Was sind die weiteren Phasen der Blase? Wann platzt die Blase und was folgt daraus für den Anleger?

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(ESV/Frank Wettlauffer)

Programmbereich: Wirtschaftsrecht

 
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