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Virtuelle Währung - Teil 2
Twitter weiterempfehlen  04.10.2017

Bitcoins: Wann platzt die Spekulationsblase?

ESV-Redaktion Recht
Hype um den Bitcoin: Wann platzt die Blase? (Foto: Vladimir/Fotolia.com)
Bitcoins werden alternativ zu klassischen Anlageformen gehandelt. Ging es im ersten Teil dieses Beitrags um die Funktionsweise der Kryptowährung, beschäftigt sich dieser Teil vor allem mit der Frage, wann die Spekulationsblase platzt und welche Konsequenzen dies für die Anleger hat.
Welche weiteren Phasen der Spekulationsblasen sollten Anleger kennen - und was kann zum Platzen einer solchen Blase führen? Die ersten beiden Phasen sind hier beschrieben.

Phase 3 - „Die rationale Blase”

In der dritten Phase wird jegliche Zurückhaltung aufgegeben. Die Preise steigen in den Himmel. Jeder vermutet zwar, dass es sich um eine Blase handelt. Nach der „Greater Fool-Theorie” glauben die Anleger aber jemanden zu finden, der einen noch höheren Preis zahlen wird. Auslöser des Engagements ist also allein die Spekulation auf eine Wertsteigerung. Genau dies passiert bei Kryptowährungen:
  • Die Käufer von Bitcoins hoffen auf schnellen Gewinn und haben die Erwartung, ihre Bitcoins kurfristig zu einem höheren Preis zu verkaufen. 
  • Da es keinen inneren Wert gibt, könnte die Spekulation aufgehen. Es spricht nichts dagegen, dass Bitcoin auch 40.000 Euro statt 4.000 Euro wert sind. Der derzeitige Marktwert beträgt 80 Milliarden Euro, der von Gold 7.000 Milliarden Euro. Warum sollten Kryptowährungen nicht weiter steigen?
  • Solange es eine konkrete Erwartung gibt, dass Menschen höhere Preise bezahlen, ist es rational, an der Blase teilzunehmen.
Noch kaufen keine Dienstmädchen

Doch ist es plausibel, dass in Zukunft noch mehr Leute spekulieren und einen höheren Preis zahlen? Vieles spricht dafür, denn obwohl Bitcoins und die anderen Kryptowährungen in der Öffentlichkeit präsent sind, ist es unwahrscheinlich, dass schon alle potentiellen Spekulanten engagiert sind:
  • Noch eröffnen überwiegend technikaffine Menschen Konten bei Handelsplattformen im Internet.
  • Erst langsam ermöglichen die ersten Banken breiten Anlegerschichten den einfachen Zugang via Konten oder Zertifikaten. 
Daher ist Zahl der Anleger und die Summen noch übersichtlich. So gibt es nur drei Konten mit mehr als 100.000 Bitcoins und 17.000 Konten mit mehr als 100 Bitcoins. 17,2 Millionen Konten besitzen weniger als ein Bitcoin. Damit sind Besitzer von Bitcoins zwar keine Randerscheinung mehr. Aber noch sind Bitcoins auch kein Massenphänomen. Erst wenn auch „der Taxifahrer um die Ecke” stolz von seinem Gewinn erzählt, dürfte die Nachfrage befriedigt sein.

Phase 4 – Kommt es zu Gewinnmitnahmen?

Bei einer klassischen Blase kommt es in der vierten Phase zu Gewinnmitnahmen. Weitblickende Anleger, die erkannt haben, dass sich der Marktpreis weit vom inneren Wert entfernt hat, verkaufen. Bei Kryptowährungen gibt es aber keinen inneren Wert, so dass die typische Reaktion der Anleger nicht prognostizierbar ist.

Phase 5 – Keine Panik wegen „dem bisschen Spielgeld”

In der fünften Phase der klassischen Blase kommt es an einem bestimmten Punkt zur Panik. Alles wird auf den Markt geworfen, insbesondere wenn auf Kredit gehandelt wurde. Bei Kryptowährungen ist davon auszugehen, dass es signifikant weniger Kreditfinanzierung geben wird als bei Immobilien- oder Aktienblasen. Auch stellt sich die Frage, wie groß ein Einbruch sein muss, damit der Glaube an immer währende Wertsteigerungen wirklich verloren geht. Derzeit werden Preiseinbrüche von über 50 Prozent noch als Kaufgelegenheit gesehen, um neues Spielgeld unterzubringen - getreu dem Motto: „if you’re in trouble - double”. Erst,wenn nicht nur Spielgeld, sondern wirkliche Anlagegelder schmerzhaft verloren wurden, wird es zu Panik kommen.

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Was bringt die Blase zum Platzen?

Was könnte also die Blase zum Platzen bringen? Ob ein - aus Anlegerschutzsicht auf jeden Fall zu begrüßendes - Verkaufsverbot von Kryptowährungen durch Banken die Blase zum Platzen bringt, erscheint zweifelhaft. Gleiches gilt für jedwede andere Regulierung, da dies den Promotern nur neue Argumente in die Hand gibt.

Derzeit erscheinen drei Ereignisse das Potential zu haben, die Blase zum Platzen zu bringen: Die Erkenntnis, dass viele Kryptowährungen Betrug sind, die Angst vor Diebstahl und ein Run auf die Tauschplattformen.

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Zu viele Glücksritter

Wenn es auch sein mag, dass einige der etablierten Kryptowährungen wie Bitcoin zwar keinen inneren Wert besitzen, so sind sie doch in ihrem Angebot beschränkt. Ob dies für alle neueren Währungen gilt - derzeit sind es 860 und es kommen wöchentlich mehr dazu - erscheint fraglich. Der Markt für Kryptowährungen und sogenannte Initial Coin Offerings (ICO) erinnert an die Südseeblase, bei dem Unternehmen von sagenhaften Geschäftsmöglichkeiten in Südamerika, von Gold- und Silberschätzen, berichteten - und Geld einwarben.

Kasten: Was sind Initial Coin Offerings?
Mit Initial Coin Offerings (ICOs) beschaffen sich Start ups Geld, um ihre Geschäftsideen zu finanzieren. Statt das Geld von einem Venture Fonds - der die Zukunftsträchtigkeit des Start ups genau analysiert - zu erhalten, investieren - wie bei einer Crowd-Finanzierung - sehr viele Anleger kleinere Beträge. Statt Aktien oder GmbH-Anteile werden „Coins” oder „Token” emittiert die mit einer etablierten Crytowährung bezahlt werden. Die Coins sind handelbar und damit ein beliebtes Spekulationsobjekt.

Vorsorglich warnen viele Promoter von Bitcoins und anderen „etablierteren” Währungen auch vor den vielen „falschen” Kryptowährungen. Denn die größte Gefahr für die Blase besteht nicht allein darin, dass die Nachfrage mit anderen Kryptowährungen befriedigt wird und nicht mit der eigenen. Vielmehr ist es das Vertrauen in das Konstrukt Kryptowährungen, das erhalten bleiben muss, um die Blase aufrecht zu erhalten. Und wenn sich zu viele Währungen als Betrug herausstellen, könnte dies auch ein Anlass sein, grundsätzlich über Kryptowährungen nachzudenken.

Gehackte Bitcoin-Konten

Ein weiteres Risiko besteht, dass auch immer mehr etablierte Kryptowährungen von den Konten der Handelsplattformen gehackt werden, und zwar Schätzungen zufolge über ein Prozent der Marktkapitalisierung. Im Gegensatz zu den Euros von einem gehackten Konto bei einer konventionellen Bank werden diese Diebstähle nicht ersetzt. Offensichtlich ist die Gier vieler Spekulanten derzeit noch größer als die Angst, selbst Opfer von Cyberkriminalität zu werden. Wenn diese „Diebstähle” jedoch zunehmen, könnte dies viele veranlassen, ihre Währungen zu verkaufen.

Was ist schon ein Banküberfall gegen das Gründen einer Bank?

Eine dritte Möglichkeit, das Vertrauen in die Währungen zu verlieren ist ein klassischer „Run”. Angesichts mangelnder Regulierung für Internet Plattformen, bei denen man für horrende Gebühren Dollar und Euro gegen Kryptowährungen tauschen kann, wird es bald unseriöse Gründungen von Tauschplattformen geben. Diese werden zu günstigen Konditionen „virtuelle Bitcoins” anbieten und viele Spekulanten anlocken. Sie werden mit fingierten Buchungen den Anlegern die Kryptowährung auf ihren Konten gutschreiben. Dass es keine echten Bitcoins sind, wird vorerst niemand merken, da die meisten Käufer diese nicht als Zahlungsmittel einsetzen. Sobald die Betrüger auf diese Weise genügend Dollar oder Euro angehäuft haben, werden sie sich zurückziehen - und das Spiel fliegt auf.

Nun kommt es zu einem massivem Verkauf aller Kryptowährungen. Im Gegensatz zu einem Bankrun führt dies jedoch nicht zu einem Bankrott der Plattform, da diese die Kyptowährungen ja nicht verliehen hat, sondern zu einem massiven Verkauf. Allerdings werden in diesem Moment nur wenige Käufer auftreten: Zum einen werden diejenigen, die unsicher über die Seriosität ihrer Plattform sind, kein neues Geld investieren. Zum anderen kann niemand sagen wie weit der Preis fallen wird, da der innere Wert fehlt. 

Die einzige Chance für den Erhalt des Marktes für Kryptowährungen ist das Auftreten eines „Buyers of Last Resort”. Dies muss jemand sein, der ein sehr großes Interesse am Werterhalt von Bitcoins & Co hat und bereit ist, dafür Millionen einzusetzen.

Falls nicht wird der Preis schnell zu seinem inneren Wert zurückkehren, d.h. zu Null. Dabei sollte man sich von der Illusion verabschieden, schlauer zu sein als die anderen und schnell noch verkaufen zu können. Eher sollte man sich das vorstellen wie im Spielkasino, in dem man seinen Einsatz liegen lässt, mit Glück ein paar Mal verdoppelt und dann mit einem Mal alles verliert. Auf jeden Fall werden viele Spekulanten viel Geld verlieren. Ob das der Grund ist, warum der „Zauberlehrling”, der die Bitcoins erschaffen hat, so weise ist, anonym zu bleiben?

Was daraus folgt
  • Bitcoins und andere Kryptowährungen sind als Geld ungeeignet und haben keinen inneren Wert.
  • Kryptowährungen sind kein Anlageobjekt sondern allein Spekulationsobjekt.
  • Wir erleben derzeit eine Spekulationsblase von der niemand weiss, wann sie platzen wird. Wer eine Spekulation wagt, muss auch bereit sein, 100 Prozent seines Einsatzes zu verlieren.
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Zur Person
Der Bankkaufmann Frank Wettlauffer hat sich schon während seines Studiums der BWL auf Geld- und Kapitalmarkttheorie spezialisiert. Nach einer 20-jährigen Tätigkeit in der Vermögensverwaltung, u.a. als Fondsmanager und Leiter der Kundenbetreuung bei einer führenden Schweizer Privatbank, arbeitet der Kapitalmarktexperte als unabhängiger Berater für institutionelle und private Anleger.

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(ESV/Frank Wettlauffer)

Programmbereich: Wirtschaftsrecht

 
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