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Nachgefragt bei: Prof. Elissa Pustka
Twitter weiterempfehlen  15.04.2016

„Das Wichtigste ist es, ins Land zu fahren“

ESV-Redaktion Philologie
Ist in der Sprachwissenschaft zu Hause: Professorin Dr. Elissa Pustka (Foto: Barbara Mair)
Beim Fremdsprachenlernen herrscht ein großes Interesse an einer möglichst guten Aussprache. Was uns diese, gerade im Französischen, so schwer macht und warum Phonologie ein spannendes Thema ist, verrät uns Professorin Elissa Pustka im Interview.
Woher kommt Ihre Faszination für die Phonologie?

Elissa Pustka: In der 8. Klasse hat es bei mir „klick“ gemacht. Ich hatte zum ersten Mal Ärger im Französischunterricht. Folgenden Satz sollte ich vorlesen: „Au mur, il y avait une grande carte de la Corse.“ Wir hatten einen Französischlehrer wie im Bilderbuch: im schwarzen Rollkragenpullover, mit der Gitarre Chansons singend und einer perfekten Pariser Aussprache. Er unterrichtete auch systematisch die Lautschrift und korrigierte uns regelmäßig bei Leseübungen. Da ein Teil meiner Familie aus Frankreich kommt, gab es eigentlich nie etwas auszusetzen – aber in diesem Satz waren nach seinem Geschmack vier finale Schwas zu viel: „Au mur, il y avait unE grandE cartE de la CorsE.“ Meine Familie kommt nämlich aus Südfrankreich. Er ließ mich den Satz wiederholen, ohne die Schwas. Seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen, dass die Aussprache eines Drittels der Franzosen kein „richtiges“ Französisch sein soll. Leider lernten wir im Studium aber nichts zu diesem Thema und da meine Literaturrecherchen nur wenig zu Tage förderten, habe ich dann selbst Sprachaufnahmen gemacht und eine Doktorarbeit über das Thema geschrieben.

Wie kann man bei den Studierenden Begeisterung für dieses zentrale Thema der Sprachwissenschaft wecken?

Elissa Pustka: Während in älteren Generationen noch schlimme Erinnerungen an mechanische Sprachlaborübungen und demütigende Korrekturen vorherrschen, erlebe ich in letzter Zeit, dass die Studierenden von sich aus großes Interesse für die Aussprache mitbringen. Eigentlich findet es jeder spannend, wie man heraushören kann, woher Menschen kommen, und jeder möchte auch selbst eine möglichst gute Aussprache in der Fremdsprache erlernen. Außerdem macht es den Studierenden großen Spaß, am Computer mit Sprachaufnahmen zu arbeiten und Brücken der Sprachwissenschaft zur Biologie, Physik und Psychologie zu entdecken.

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Was genau macht die französische Aussprache für deutsche Schülerinnen und Schüler und Studierende schwer?

Elissa Pustka: Zwei Dinge: Erstens übertragen wir ganz automatisch unsere Aussprachegewohnheiten in der Muttersprache auf Fremdsprachen. Deutsche sprechen Französisch mit deutschem Akzent wie auch Englisch, Spanisch oder Italienisch. Zweitens ist das Französische aber auch ganz besonders schwierig. Seine Aussprache hat sich über Jahrhunderte von der Schreibung wegentwickelt, die Schreibung wurde aber kaum adaptiert. Welche Konsonanten und Vokale ausgesprochen werden und welche nicht, hängt von einem komplexen Zusammenspiel ganz vieler Faktoren ab und wird mit den sich ständig verbessernden technischen Möglichkeiten in Korpora und Experimenten gerade immer genauer erforscht. Daraus können wir dann Tipps für den Fremdsprachunterricht ableiten.

Gibt es Tipps und Tricks für eine langfristige Verbesserung?

Elissa Pustka: Man darf sich keine Illusionen machen: Nichts ersetzt viele lange und regelmäßige Kontakte mit der Zielsprache. Das Wichtigste ist es, ins Land zu fahren. Zwischendurch kann man in den französischsprachigen Exil-Gemeinschaften und speziell mit Tandempartnern aktiv in Übung bleiben, mit Filmen und Internetradio zumindest passiv. Vieles überhören wir aber ohne phonetische und phonologische Kenntnisse und leider fossilisieren sich Fehler. Gewöhnen wir uns einmal eine falsche Aussprache an, werden wir sie oft nicht wieder los. Daher ist es so wichtig, von Anfang an Vokabeln mit der Lautschrift zu lernen. Diese Investition lohnt sich wirklich! Für Phänomene wie das Schwa muss man zudem ein paar Regeln kennen. Erst mit diesem Hintergrundwissen kann man vom Kontakt mit der Zielsprache auch wirklich profitieren.

Ihre „Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen“ erscheint nun in zweiter Auflage. Womit besticht dieses Buch besonders?

Elissa Pustka: Es ist das einzige Buch auf dem Markt, das aktuelle internationale (empirische und theoretische) Forschung mit dem universitären Fremdsprachunterricht verbindet. Da ich seit vielen Jahren am Projekt Phonologie du Français Contemporain (PFC) mitarbeite, das Sprachaufnahmen des Französischen in der gesamten Welt sammelt und auswertet, habe ich viele Beispiele und neue Analysen daraus einfließen lassen. Zudem ist das Buch speziell auf deutschsprachige Lernende zugeschnitten und vergleicht die französischen Phänomene immer mit dem Deutschen.

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(ESV/vh)

Die Autorin
Elissa Pustka ist Professorin für Romanische Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Phonologie, Semantik und Pragmatik. Dabei interessiert sie sich besonders für Variation und Wandel von Sprachsystemen und das Erklärungspotential von Perzeption, Kognition und Emotionen.

Zum Band
Das Buch Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen ist jetzt in der 2. Auflage in der Reihe „Grundlagen der Romanistik (GrR)” im Erich Schmidt Verlag erschienen. Sie können es bequem hier bestellen.

Programmbereich: Romanistik

 
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