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Genauer betrachtet: Deutsche Erzählprosa (Foto: pit24/Fotolia.com)

100 Jahre Erzählprosa unter dem Blickwinkel einer Verfahrensanalyse

ESV-Redaktion Philologie
04.12.2015
Das Buch „Deutsche Erzählprosa 1850–1950. Eine Geschichte literarischer Verfahren“ von Prof. Dr. Moritz Baßler nähert sich literarischen Entwicklungen aus einer neuen Perspektive. Der Blick auf die künstlerischen Verfahren dieser Zeitspanne präsentiert eine neue Form von Literaturgeschichte.
Was macht ein Gemälde zu einem impressionistischen Werk? Der Kunstkenner wird unter Umständen antworten, dass es die Bedeutsamkeit des Schattens, die Betonung auf der Farbgebung, nicht so sehr auf den Linien ist, die das Werk als impressionistisch ausweisen. Die künstlerischen Verfahren, mit denen der Künstler das Material – in diesem Fall Farbe und Leinwand – bearbeitet, sind in der bildenden Kunst ein wesentliches Charakteristikum, um die Eigenheiten von Werken einer bestimmten Strömung zu beschreiben.

In der Literaturwissenschaft hingegen ist die Frage nach den künstlerischen Verfahren als dem ausschlaggebenden Merkmal, das den Wandel der Kunst im Verlauf der Zeit sichtbar werden lässt, erstaunlich wenig verbreitet. Epochen und Stilrichtungen werden über Inhalte, historische Zäsuren oder diskursive Konstellationen voneinander abgegrenzt. Wie könnte überhaupt eine Betrachtung der Literatur aussehen, wenn man sie auf ihre Verfahren hin untersucht? Welche Verfahren seiner Verarbeitung und Verknüpfung wenden Autoren an? Dieser Frage geht Moritz Baßler in seiner Literaturgeschichte der anderen Art nach.

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Hundert Jahre zwischen den Polen literarischer Verfahren


Baßler betrachtet in seinem ‚Projekt einer Verfahrensgeschichte‘ einen genau definierten Zeitraum von 100 Jahren: Die Literatur zwischen 1850 und 1950 bzw. deren literarische Verfahren bewegen sich zwischen den Extremen einer dezidiert realistisch erzählenden Literatur und der Explosion der literarischen Moderne mit ihren modernen Grenztexten. Am Ende dieser bewegten Zeit, in den 1920er Jahren, setzt sich jedoch die Rückkehr zu realistischen Textverfahren erstaunlicherweise nahezu ungebrochen wieder durch. Baßler widmet sich dabei auch der Frage, wie es dazu kommt, dass die Literatur so unterschiedlicher Richtungen wie Neue Sachlichkeit, Magischer Realismus, NS- und Exilliteratur ab 1920 wieder flächendeckend realistisch schreibt. (ESV/cl/ln)

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Das Buch

In dem Buch „Deutsche Erzählprosa 1850–1950. Eine Geschichte literarischer Verfahren“ präsentiert Moritz Baßler in kurzen Textproben und anschaulichen Skizzen einen neuen, komplexen Zugriff auf die Geschichte deutschsprachiger Erzählprosa. Denn was für Kunst und Musik selbstverständlich ist, wird hier erstmals für die deutschsprachige Literatur vorgelegt: eine Geschichte ihrer Verfahren.

In den betrachteten hundert Jahren führt der Weg vom Poetischen Realismus des 19. Jahrhunderts über die frühe und die emphatisch-wilde Moderne bis hin zu den neuen Realismen der 1920er Jahre, die die deutsche Literatur noch weit über 1945 hinaus prägten. Dabei bietet der Fokus auf die Verfahrensgeschichte einen gänzlich neuen Zugang zum Verständnis dieser literarischen Epoche.


Programmbereich: Germanistik und Komparatistik