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Nachgefragt bei: Prof. Dr. Thomas Bein
Twitter weiterempfehlen  12.11.2019

Bein: „Man muss die Studierenden erst einmal neugierig machen“

ESV-Redation Philologie/Ln
Lehrt seit vielen Jahren leidenschaftlich mittelalterliche Literatur: Professor Dr. Thomas Bein (Foto: privat)
Mittelalterliche Literatur und Kultur stoßen nach wie vor auf ein reges gesellschaftliches Interesse – insbesondere in der Unterhaltungsbranche. Es gibt unzählige Bücher, Brettspiele, Filme, Hörspiele, Computerspiele, Open-Air-Festivals oder auch Musikstücke, die sich mit dieser Epoche befassen.
Die Beschäftigung mit der mittelalterlichen Sprache, mit den Stoffen und Motiven kann höchst aufschlussreich sein. In vielen Fällen bieten sich mittelalterliche Texte an, um über Kulturtraditionen ins Gespräch zu kommen, die unser gegenwärtiges Leben mitgeprägt haben und teilweise noch immer prägen.

Im Erich Schmidt Verlag erscheint nun eine neue Einführung, die zum Ziel hat, einen einfachen, sozusagen barrierefreien Zugang zur mittelalterlichen Literatur und Kultur zu schaffen. Mit dem Autor, Professor Dr. Thomas Bein, haben wir über sein Buch gesprochen.

Lieber Herr Bein, Sie haben eine neue Einführung in die Germanistische Mediävistik geschrieben. Was zeichnet diese – auch vor dem Hintergrund einiger bereits bestehender anderer Einführungen – aus?

Thomas Bein: Die Einführung setzt sehr basal an, geht behutsam auf die Zielgruppe zu, ist bemüht, für die Gegenstände Interesse zu wecken und Zugänge zu den oft fremden Textinhalten zu erleichtern. Dennoch wird nicht zu viel didaktisch heruntergebrochen – Schwierigkeiten dürfen nicht kommentarlos eingeebnet werden. Daher gibt es nicht wenige Fußnoten, die auf die Komplexität von Zusammenhängen zumindest aufmerksam machen und weiterführende Literatur empfehlen.
 
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Als eine hochpoetische Kunstform sticht der Minnesang neben den für das Mittelalter typischen Heldenepen und Artusromanen heraus. Die Lieder des Minnesängers Friedrich von Hausen bilden da keine Ausnahme – auch wenn biografische und realhistorische Bezüge bislang in der Forschung dominieren. mehr …

Warum ist ein Studium der deutschen Literatur und Sprache des Mittelalters aus Ihrer Sicht auch heute noch wichtig und sinnvoll? Was hat uns diese Epoche überhaupt noch zu sagen?

Thomas Bein: Befasst man sich – ganz allgemein gesprochen – mit Texten in einer wissenschaftlichen Weise, muss man ihre Geschichte kennen, und zwar die ganze Geschichte. Ein/e Germanist/in, für den/die die deutsche Literatur im 17. Jahrhundert beginnt, kennt nur die Hälfte dieser Kultursparte und wird diese auch nur unvollkommen studieren können, weil eben die großen Traditionen – bis in das 8./9. Jahrhundert zurückreichend – unbekannt sind.

Auch unabhängig von der Literatur im engeren Sinn kann eine fundierte Beschäftigung mit vorangehenden Epochen der Kultur- und Zivilisationsgeschichte helfen, die eigene kulturelle Situation im Hier und Jetzt besser zu verstehen.

Wie ist die Einführung aufgebaut und wo liegt der Schwerpunkt der Darstellung?

Thomas Bein: Die Einführung gliedert sich in einen systematischen und historischen Teil. In der Systematik werden Epochenmerkmale, kulturelle Voraussetzungen, mediale Möglichkeiten, die Kulturtechnik der Handschriften und Formprinzipien mittelalterlicher Literatur vorgestellt. Des Weiteren soll ein Blick in die Geschichte des Faches ‚Germanistik‘ und seiner Methoden für die Möglichkeiten und Grenzen geisteswissenschaftlicher Erkenntnis sensibilisieren.

Im historischen Teil wird anhand von ausgewählten Quellenbeispielen in die literarische Kultur des deutschsprachigen Mittelalters sowohl historisch als auch gattungstypologisch eingeführt. Den Schwerpunkt bildet der Zeitraum vom 12. bis zum frühen 14. Jahrhundert; doch kommt auch die erste, althochdeutsche Phase (8.–11. Jahrhundert) nicht zu kurz. Wichtig war mir, neben der ‚Dichtung‘ im engeren Sinn auch die Sach- und Fachliteratur vorzustellen.

Jedes größere Kapitel im Buch beginnt mit einer „Annäherung“, oft ist dies eine Abbildung. Welchen Zweck haben Sie damit verfolgt?

Thomas Bein: Ein Problem bei der Vermittlung von mittelalterlicher Literatur besteht darin, dass Studienanfänger/-innen kaum Vorwissen aus der Schule mitbringen, weil dort Texte aus dem Mittelalter so gut wie keinen Platz mehr haben. Man muss die Studierenden also erst einmal für einen ganz neuen Gegenstand interessieren, sie neugierig machen, sie lachen lassen, sie den Kopf schütteln lassen. Solche ‚Funken‘ können dann ein Anreiz sein, sich systematisch und historisch auf dieses ‚Neue‘, ‚Merkwürdige‘ einzulassen.

Zu guter Letzt eine ganz persönliche Frage: Haben Sie einen mittelalterlichen Lieblingstext, dessen Lektüre Sie unseren Leserinnen und Lesern besonders ans Herz legen möchten?

Thomas Bein: Der ‚Tristan‘ Gottfrieds von Straßburg und der ‚Parzival‘ Wolframs von Eschenbach sind zweifellos Meisterwerke und haben auch einem modernen Menschen viel zu sagen. Es sind aber recht lange Epen. Zum Einstieg würde ich empfehlen: ‚Der arme Heinrich‘ von Hartmann von Aue (hier lernt man viel ‚mittelalterlichen Geist‘ kennen) oder ‚Mauricius von Craûn‘ (anonym), ein Text, der von enormer Komik lebt und gleichzeitig in die Komplexität (literarischer) Geschlechterkultur einführt.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind und mehr über mittelalterliche Literatur und Kultur lesen möchten, empfehlen wir Ihnen das Buch von Thomas Bein.

Zum Autor
Nach seiner Promotion zu „Frauenlobs Minneleich“ habilitierte Professor Thomas Bein über „Authentizitätsprobleme in mittelhochdeutscher Lyrik“ in Bonn. Seit 1999 ist er ordentlicher Universitätsprofessor an der RWTH Aachen University, war außerdem langjähriger Vorsitzender der Mittelaltersektion der Arbeitsgemeinschaft für Germanistische Edition und ist Herausgeber der 15. Auflage der Lachmannschen Walther von der Vogelweide-Edition. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze zur Lyrik des Mittelalters, zu Walther von der Vogelweide, zur Editionswissenschaft, Fachliteratur und Propädeutik. Für die Reihe „Grundlagen der Germanistik“ verfasste er außerdem einen Band zur „Deutschsprachigen Lyrik des Mittelalters“.

Deutsche Literatur des Mittelalters
Eine Einführung in die Germanistische Mediävistik

Von Thomas Bein

Diese völlig neu konzipierte Einführung in die Germanistische Mediävistik richtet sich vornehmlich an Studienanfängerinnen und -anfänger. Im schulischen Deutschunterricht hat die Literatur des Mittelalters in aller Regel keinen Platz, so dass viele Studierende mit einer für sie ganz neuen literarischen Kultur konfrontiert werden. Das vorliegende Buch möchte helfen, die ersten größeren Hürden zu nehmen, die die Erschließung einer solchen fremden Textkultur besonders in den ersten Semestern erschweren.
Der Autor setzt nur wenig voraus, erklärt Fachbegriffe und verknüpft theoretische Ausführungen mit konkreten Beispielen. Über aussagekräftige Bilder oder kuriose Kleintexte werden die Leserinnen und Leser in die größeren Kapitel behutsam eingeführt. Diese ‚Annäherungen‘ sollen verwundern, Interesse wecken, hier und da gar zu spontanem Lachen verführen und schließlich den Kopf frei machen für die folgenden systematischen und historischen Informationen.
Die Einführung gliedert sich in zwei große Bereiche: Im ‚Systematischen Teil‘ werden epochale und kulturelle Voraussetzungen skizziert, mediengeschichtliche Besonderheiten herausgestellt und Formprinzipien der mittelalterlichen Literatur erläutert. Im ‚Historischen Teil‘ geht es um die deutschsprachige Textkultur selbst. Bedeutende Perioden werden vom späten 8. Jahrhundert bis in das spätere 14. Jahrhundert anhand vieler Autoren und Beispieltexte in ihrer Charakteristik vorgestellt. Alle alt- und mittelhochdeutschen Zitate werden von einer neuhochdeutschen Übersetzung begleitet, zahlreiche Abbildungen dienen der Veranschaulichung. Erläuterungen von fachspezifischen Onlineangeboten, ein umfangreiches, alphabetisch und systematisch gegliedertes Literaturverzeichnis sowie ein Sachregister erleichtern weiterführende Recherchen.

 

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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