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Gestaltet ihre Neuauflage kreativ mit Comics über Phonetik und Phonologie: Elissa Pustka (Comic: Elissa Pustka & Lucas Vallerie)
Nachgefragt bei Prof. Dr. Elissa Pustka

„Die Aussprache ist wie ein Schleier, der sich über die gesamte Sprache legt“

ESV-Redaktion Philologie
21.05.2026
Die Aussprache des Französischen ist für viele Lernende eine große Hürde, die allerdings nicht zu umgehen ist. Eine gute Aussprache trägt zur besseren Verständigung untereinander bei und erleichtert somit auch den weiteren Lernweg. Ihr sollte daher im Fremdsprachenunterricht ein besonderes Gewicht beigemessen werden, auch um die Motivation der Lernenden aufrechtzuerhalten. Doch wie genau kann dieser Fokus auf Aussprache sinnvoll und nachhaltig umgesetzt werden?
In ihrer „Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen“ geht Elissa Pustka auf die essenziellen Grundlagen, aber auch die Problematiken rund um das Aussprache-Lernen und -Lehren ein. Im Interview erzählt sie von den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die diese dritte Auflage ihres Bandes auf den aktuellen Stand der Forschung bringen.

Liebe Frau Pustka, dies ist nun bereits die dritte Auflage Ihrer „Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen“. Wie wichtig ist die Aussprache in der Fremdsprache?


Die Aussprache ist wie ein Schleier, der sich über die gesamte Sprache legt. Ist die Aussprache gut, werden Grammatikfehler zum Teil sogar überhört. Außerdem bekommt man Komplimente – und das wirkt sich positiv auf die Motivation aus. Daher sind Phonetik und Phonologie essenziell für das Sprachenstudium, insbesondere für das Lehramt.

Die zweite Auflage erschien vor zehn Jahren. Was hat sich seitdem in der Forschung zur französischen Sprache getan und auf welche Neuerungen können sich Leserinnen und Leser in der dritten Auflage freuen?

In den letzten zehn Jahren gab es viel Forschung im Bereich der Interphonologie, also der Aussprache von Lernerinnen und Lernern des Französischen, und zum Phänomen der Liaison. Wir wissen daher heute besser, worauf sich der Fremdsprachenunterricht konzentrieren sollte. Auf dieser Basis sind daher zwischenzeitlich eine Vielzahl didaktischer Materialien entstanden. Entsprechend enthält die dritte Auflage ein neues Kapitel „Aussprache lernen und lehren“.

Was sind denn nach den neuesten Erkenntnissen die größten Herausforderungen der französischen Aussprache?

Der größte Stolperstein ist die Schrift. Das Französische schreibt man oft ganz anders als man es ausspricht, z. B. <eau> ‚Wasser‘ [o]. Wer das nicht systematisch lernt, überträgt die Regeln aus dem Deutschen auf das Französische – das wird schnell unverständlich. Dazu gibt es noch viele Ausnahmen. Zum Beispiel spricht man <-ent> in <souvent> anders aus als in <elles parlent> oder <-ill> in <fille> anders als in <ville>. Diese Wörter muss man mit der Aussprache lernen.

Auszug aus: „Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen“ 19.05.2026
So gelingt französische Aussprache
Wodurch kann Aussprache optimiert werden? Es gibt viele Faktoren, die unsere Aussprache beeinflussen und somit auch viele Ansatzpunkte, um sie zu verbessern. Die Phonetik und Phonologie des Französischen unterscheidet sich maßgeblich von der des Deutschen. Schwierigkeiten sind daher vorprogrammiert, jedoch keinesfalls unüberwindbar: mit dem Wissen um bestimmte Herausforderungen können diese gemeistert werden. mehr …

Welchen Tipp können Sie Sprachlernenden geben, um ihnen den Einstieg zu erleichtern?

Vokabeln mit Lautschrift lernen. Die Artikulation der Laute ist meistens gar nicht so schwierig, aber man muss wissen, was man artikulieren soll. Zum Beispiel spricht man das <e> im Französischen oft wie <ö> und nicht wie ein deutsches <e> aus. Das französische Wort <melon> klingt also anders als das deutsche <Melone>.

Eine Besonderheit in Ihrem Buch ist ein mehrseitiger Comic. Können Sie uns etwas zu dessen Entstehung erzählen und erläutern, welche Bewandtnis es damit hat?

Wir haben in unserem Wissenschaftskommunikationsprojekt „Französische Aussprache sichtbar machen“ gemeinsam mit Comic-Künstlerinnen und -Künstlern Workshops in Schulen veranstaltet. Die Schülerinnen und Schüler haben dabei etwas über Comics und Aussprache erfahren und danach selbst Illustrationen und Comics zur französischen Aussprache gezeichnet. Mit einem der Künstler, Lucas Vallerie, kamen wir auf die Idee, gemeinsam einen Comic zur französischen Phonetik und Phonologie zu entwickeln. Die ersten vier Seiten, die am Ende des Buchs abgedruckt sind, geben Einblicke in den Forschungsprozess – von der Antragstellung, über die Datensammlung und -analyse bis zu Vorträgen, Publikationen und zum Wissenstransfer in die Gesellschaft. Mir ist es ganz wichtig, dass Studentinnen und Studenten nicht nur Wissen über die Aussprache erwerben, sondern auch erfahren, wie dieses Wissen zustande kommt.

Vielen Dank für dieses anregende Gespräch!


Zur Autorin
Elissa Pustka ist Universitätsprofessorin für Sprach- und Kommunikationswissenschaft am Institut für Romanistik der Universität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Mündlichkeit, speziell der Phonetik und Phonologie sowie der inszenierten Mündlichkeit im Comic, in Sprachkontakt, Variation und Wandel sowie in Fremdspracherwerb und -didaktik. Sie ist Autorin zahlreicher Lehrbücher.

Einführung in die Phonetik und Phonologie des Französischen
Von Elissa Pustka


Ein Rätsel für viele Lernende – eine Herausforderung für die Wissenschaft: Die französische Aussprache kann nur verstehen, wer über den Tellerrand der Phonemsysteme hinausblickt. Zum ersten Mal bezieht eine Einführung daher Variation und Wandel umfassend mit ein und stellt systematisch Zusammenhänge zu Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung her. Auf Basis aktueller Theorien und neuester empirischer Forschungsergebnisse erfahren Französischstudentinnen und -studenten hier alles, was sie von Merkmalen über Laute und Silben bis hin zu Rhythmus und Intonation wissen müssen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf spezifisch französischen Phänomenen wie dem Schwa und der Liaison. Ziel ist es, den Leserinnen und Lesern die nötigen Kenntnisse und Methoden zur Verbesserung von Aussprache und Hörverständnis zu vermitteln. Dazu enthält das Buch zahlreiche praktische, in jahrelanger Unterrichtserfahrung erprobte Übungen (mit Lösungen) zur Aussprache, Transkription und wissenschaftlichen Analyse (u. a. ein Tutorial für die Software PRAAT). Über 120 Grafiken und Tabellen sowie zahlreiche authentische Beispiele aus den Projekten ‚Phonologie du Français Contemporain‘ (PFC) und ‚Französische Aussprache sichtbar machen‘ illustrieren die Erklärungen.

Die 3. Auflage wurde neu überarbeitet, bibliographisch aktualisiert und um ein zusätzliches Kapitel zur Aussprachedidaktik ergänzt.

Programmbereich: Romanistik