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Was beeinflusst das Sprachenlernen? (Foto: pathdoc/stock.adobe.com)
Auszug aus: „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“

Die Bedeutung des Sprachenlernens für die Überwindung kultureller Grenzen

ESV-Redaktion Philologie
17.08.2026
Ob im Unterricht, in den soziale Medien oder im Alltag – überall sind wir umgeben von dem Klang unterschiedlicher Sprachen. Manche Sprachen begegnen uns dabei häufiger als andere, wodurch nicht nur unsere Wahrnehmung, sondern ebenfalls unsere Sicht auf verschiedene Kulturen geprägt wird. Jedoch stellt der Sprachunterricht besonders für Eingewanderte eine Herausforderung dar. Denn fehlende Sprachkenntnisse führen oftmals zu erschwerter Integration und der Entstehung von kulturellen und sozialen Grenzen.
Lesen Sie im Folgenden einen Auszug aus dem bereits in 7. Auflage erschienenen Band „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ von Hans-Werner Huneke und Wolfgang Steinig. Es geht darum, wie unsere Einstellung und Motivation das Sprachenlernen prägt und wie dies die kulturelle Teilhabe beeinflussen kann.

 „Welche Einstellung man gegenüber einer fremden Sprache hat, beeinflusst die Bereitschaft, sie zu erlernen, die Anstrengung, die man in den Lernprozess stecken möchte, und damit auch den Lernerfolg. Wenn eine Sprache weltweit eine große Verbreitung hat wie Englisch oder Spanisch, ist die Lernbereitschaft größer als gegenüber Dänisch oder Litauisch, wenn man nicht gerade in Dänemark oder Litauen lebt. Je schwieriger einem eine andere Sprache erscheint, besonders ihre Grammatik und ihre Aussprache, desto größer können die Vorbehalte sein, sie zu lernen. Hat diese Sprache ein anderes Alphabet oder Schriftsystem, wie das Chinesische, Japanische oder das Russische, erscheint das als zusätzliches Handicap.

Auch die Einstellung gegenüber Gesellschaft und Kultur, in denen diese Sprache gesprochen wird, spielt eine wichtige Rolle. Bewundere ich sie oder erscheint sie mir suspekt? Kenne ich Gesprächspartner aus dieser Sprachgemeinschaft? Wie sympathisch sind sie mir? Und wie sympathisch ist mir die Lehrerin oder der Lehrer, die oder der die Sprache unterrichtet? 

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Zu welcher Orientierung es bei Eingewanderten kommt, hängt zum einen von der persönlichen Bereitschaft ab, sich anzupassen, zum anderen von den Bedingungen in der Aufnahmegesellschaft, die es entweder Eingewanderten leicht macht, sich zu integrieren, oder aber soziale und bürokratische Barrieren errichtet, die eine Integration erschweren. Entscheidend ist, wie sich der kommunikative Austausch zwischen Menschen der Mehrheitsgesellschaft und den neu Hinzukommenden gestaltet. Gelingt es, die kulturelle und sprachliche Distanz zu verringern und ein achtsames und vorurteilsfreies Zusammenleben zu erreichen? Vereine, in denen man Sport treiben, singen, tanzen oder sich anderweitig engagieren kann, bieten hier oft ein gutes Umfeld, um ein Miteinander und Nähe zu ermöglichen. 

Nachgefragt bei Prof. Dr. Hans-Werner Huneke und Prof. Dr. Wolfgang Steinig 14.08.2026
„Sprachliches Lernen setzt voraus, dass es eine reiche und kommunikativ anregende sprachliche Umgebung gibt ”
Bei dem Erlernen einer Sprache findet eine Begegnung mit fremden Wörtern, unvertrauter Aussprache und neuen Grammatikstrukturen statt. Genauso wie Sprachen sich voneinander unterscheiden, sind auch Lernende von einer großen Diversität geprägt. Mehrsprachigkeit ist hierbei ein bedeutender Faktor, welcher stets die Lern- und Lehrerfahrung im fachdidaktischen Kontext beeinflusst. Doch wie stark unterscheiden sich DaZ-Lerndende von DaF-Lernenden? Wie können unterschiedliche sprachliche Erfahrungen und Hintergründe optimal in den Unterricht integriert werden? Diese und weitere Themen werden von Prof. Dr. Hans-Werner Huneke und Prof. Dr. Wolfgang Steinig in der neuen Auflage ihres Werkes „Deutsch als Fremd-und Zweitsprache” behandelt. In unserem Interview mit den Autoren sprechen wir über Unterschiede zwischen Deutsch als Fremd-und Zweitsprache, die Vorteile von Mehrsprachigkeit und die Frage nach einem optimalen Sprachunterricht in einem stark medial geprägten Klassenzimmer. mehr …

An Schulen ergeben sich freundschaftliche Kontakte meist problemlos über kulturelle Grenzen hinweg. Allerdings haben wir es in unserer Schulpraxis eher selten erlebt, dass sich Freunde aus unterschiedlichen Kulturen an Wochenenden über Nacht gegenseitig einladen. Das familiäre Umfeld stellt für viele eine kulturelle Grenze dar, die man nicht gerne überschreiten möchte, obwohl es für Kinder, die aus anderen Ländern zu uns kommen, eine hervorragende Möglichkeit wäre, private deutsche Lebenswelten aus der Nähe zu erleben. Und umgekehrt wäre es für kulturell deutsch sozialisierte Kinder eine wertvolle Erfahrung, andere Familienkulturen zu erleben.

Lernende, die den Klang einer anderen Sprache und unbekannte Laute als unangenehm und unschön empfinden, können innere Widerstände entwickeln, sie zu erlernen. Negative ästhetische Urteile gegenüber Fremdsprachen entstehen jedoch nicht unabhängig von bestimmten Erwerbssituationen. Im Fremdsprachenunterricht können Lernende persönliche Aversionen gegenüber einer Lehrkraft und ihrer individuell geprägten Sprachfärbung hegen. Wenn sie im eigenen Land die einzige Repräsentantin der Zielsprache ist, noch dazu im Unterricht, in dem man nicht sonderlich erfolgreich ist, kann sich ein negatives Bild von der Fremdsprache verfestigen. Wenn man dagegen als Au-pair im Land der Zielsprache mit Kindern arbeitet, entsteht leicht eine positive sprachliche Einstellung, weil man die Erfahrung, erfolgreich mit Kindern zu sprechen, als attraktiv erlebt. Es ist also ganz entscheidend, in welchen Situationen man mit einer Fremdsprache in Kontakt kommt.“
 
Ist ihr Interesse geweckt worden? Der Titel kann hier bestellt werden.

Zu den Autoren
Prof. Dr. Hans-Werner Huneke war Lehrer für Deutsch und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in Brasilien, Deutschland und Portugal, sowie Dozent an den Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg, Freiburg und Heidelberg. Seine Forschungsbiete umfassen Sprachdidaktik, Schriftspracherwerb und Didaktik Deutsch als Fremdsprache.

Prof. Dr. Wolfgang Steinig hat als Germanist und Sprachdidaktiker an den Universitäten in Bangor (Wales), Enschede (Twente), Thessaloniki, München (LMU), Heidelberg (Pädagogische Hochschule) und zuletzt in Siegen gearbeitet. Er lehrte und forschte auf den Gebieten der Soziolinguistik, des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache sowie der Sprachdidaktik (Schreibforschung, Orthografie) und zum Sprachursprung.


Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Von Hans-Werner Huneke und Wolfgang Steinig

Diese bewährte Einführung wurde für die 7. Auflage aktualisiert und stark erweitert. Der Fokus liegt auf Theorien zum Zweitspracherwerb, dem gesteuerten und ungesteuerten Erwerb des Deutschen sowie auf Literaturdidaktik und Landeskunde/Kulturstudien. Dabei werden die Perspektiven von DaF und DaZ aufeinander bezogen.
Die für das Deutsche charakteristischen Lernschwierigkeiten in den Bereichen Phonetik, Morphologie, Syntax, Wortschatz, Pragmatik und Textlinguistik werden prägnant dargestellt und praxisnah kommentiert. Neu aufgenommen sind digitale Lernformen und Fragen der Mehrsprachigkeit, der Identität und Integration. Der Anhang enthält exemplarische Unterrichtssituationen, einen Service-Teil mit einer Auswahl nützlicher Arbeitsmittel für den Unterricht und ein umfangreiches, aktualisiertes Literaturverzeichnis sowie einen Sachindex.
Die Einführung bietet Studierenden der Germanistik sowie Deutsch als Fremd- und Zweitsprache eine zuverlässige Brücke zwischen sprachwissenschaftlicher Fundierung und reflektierter Unterrichtspraxis. Sie ist klar, kompakt und unmittelbar nutzbar für Seminar, Prüfung, Selbststudium und Praxisphase.

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik