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Literaturkanon in interkulturellen Kontexten
Twitter weiterempfehlen  09.07.2019

Ein Literaturkanon als Wegweiser

ESV-Redaktion Philologie
In interkulturellen Kontexten kann eine exemplarische Textauswahl die Richtung vorgeben. (Foto: Tryfonov/Fotolia.com)
Die Textarbeit im DaF-Unterricht ist in besonderem Maße abhängig von interkulturellen Dynamiken. Trotzdem oder gerade deswegen stellt sich hier die scheinbar veraltete Frage nach literarischer Kanonisierung. Doch wie kann man eine solche Auswahl treffen?
Zum Spannungsfeld zwischen Diversität und Einheitlichkeit, in dem sich der Umgang mit Literatur im Bereich Deutsch als Fremdsprache bewegt, forscht auch Dr. Miriam Houska aus verschiedenen Blickwinkeln. Lesen Sie hierzu einen Ausschnitt des unter dem Titel Literaturkanon in interkulturellen Kontexten erschienenen Band 5 der Reihe „Studien Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“:

Die „Kanon-Matrix“ im DaF-Bereich

In der Praxis stößt man immer wieder auf Klagen über die Marginalisierung von Literatur in Deutsch als Fremdsprache – seien es kanonisierte Texte oder „neuere“ Genres wie interkulturelle Literatur. Auf abstrakter Ebene wird in Bezug auf Literaturauswahl bzw. Kanonbildung in Deutsch als Fremdsprache für eine Synthese aus Tradition und Innovation, die Verbindung regionaler, nationaler und internationaler Literatur, ein erweitertes Textverständnis und eine Mischung aus Vorgaben und LernerInnenzentriertheit bei der Literaturauswahl plädiert […]. Für eine Mischung unterschiedlicher Texte spricht, dass der alleinige Bezug auf Kanonisiertes zugleich tendenziell zeitgenössische Literatur, Kinder- und Jugendliteratur oder auch Trivialliteratur ausschließt und damit einer konventionellen Idee von Bildung das Wort redet; der Verzicht auf „Klassiker“ wiederum birgt die Gefahren der Willkür einer individuellen Textauswahl und des Verlusts eines Wissens um literarische Tradition. […] Ausgehend von der Hypothese eines funktional-pragmatisch ausgerichteten Kanons in Deutsch als Fremdsprache muss jedoch nach den Zielen des Faches generell gefragt werden. Theoretisch sind es eben jene Zielvorstellungen, die zu einer „Kanon-Matrix“ führen, die basierend auf den Prinzipien des Faches jeweils neu (eventuell sogar nach dem Gebot der Aktualität, siehe „Migrationsliteratur“) gefüllt werden kann. […]

Interkultureller Wandel und vielschichtige Literaturstandards

Wenn die Germanistik generell und die Literaturdidaktik speziell immer stärker auf interkulturelle und kulturwissenschaftliche Themen ausgerichtet sind, mag das auch die Arbeit mit Literatur in DaF beeinflussen oder nur bestärken. […] Der Schluss liegt jedenfalls nahe, dass das Lehr- und Lernziel bzw. die methodische Ausrichtung die Auswahl literarischer Texte in Deutsch als Fremdsprache beeinflussen und die Eigenspezifik eines DaF-Kanons mitbedingen. Führen demnach interkulturelle Lehr- und Lernziele zu einem Kanon interkultureller Werke? Bleiben „DaF-Klassiker“ bzw. Schlüsseltexte davon unberührt und universal einsetzbar, so es sie gibt? Welche Rolle spielt hierbei die grundsätzliche Stellung von Literatur in Deutsch als Fremdsprache? Und welche Rolle spielt ein solcher Kanon überhaupt? Inwiefern kann es dabei noch um die Vermittlung einer bestimmten Kultur gehen? Diese Fragen alleine implizieren, dass es den einen DaF-Literaturkanon für alle Zeit nicht gibt und nicht geben kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass meine Forschungsfragen an dieser Stelle beantwortet wären – im Gegenteil.

Für eine exemplarische Kanonisierung

Kanons sind auch innerhalb einer Disziplin wie Deutsch als Fremdsprache unterschiedlich institutionell verankert, resultieren aus verschiedenen Bedürfnisprofilen, Erkenntnisinteressen und Ausrichtungen. Egal jedoch, ob linguistisch, literaturwissenschaftlich, landeskundlich-kulturwissenschaftlich oder lehr- und lernwissenschaftlich ausgerichtet, braucht auch Deutsch als Fremdsprache ein Korpus an Grundlagentexten, um in seiner Eigenständigkeit gesehen werden zu können. Infolgedessen kann die Auswahl literarischer Texte im DaF-Bereich nicht komplett willkürlich vor sich gehen, sondern muss – so mein Leitgedanke – zu einem gewissen Grad auf bestimmten Kriterien beruhen, die man zumindest in einem abgegrenzten Forschungsfeld exemplarisch eruieren können sollte.

Die Autorin
Dr. Miriam Houska studierte Germanistik, Deutsch als Fremdsprache, Anglistik/Amerikanistik, Publizistik-/ Kommunikationswissenschaft und Kunstgeschichte in Wien und New York. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und im Rahmen von Lehraufträgen (FH Wien der WKW, Universität Wien, Masaryk Universität Brno, Goethe Institut Boston, Vorstudienlehrgang der Wiener Universitäten) war und ist sie international tätig.

Literaturkanon in interkulturellen Kontexten

Gegenstand dieses Buches sind die professionelle Literaturauswahl für den Unterricht sowie deren potentielle Kanonisierungseffekte. Konkret wird die Suche nach einem praktizierten „heimlichen“ Literaturkanon und nach der Kanonisierungspraxis in interkulturellen Kontexten des Deutschen als Fremdsprache am Fallbeispiel der LektorInnen des Österreichischen Austauschdienstes behandelt.
Diese Pilotstudie bringt subjektive Theorien von Lehrenden, ExpertInnen und Studierenden zusammen. Zudem wendet sie das Kanonmodell der „invisible hand(s)“ (Winko) erstmals auf den Bereich Deutsch als Fremdsprache an, um Kanonisierungsfaktoren zu finden und Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Ein zentrales Ergebnis für die Praxis ist eine kontextuell reflektierende Kanonarbeit, in der einerseits Texte flexibel ausgewählt und andererseits didaktische Kriterien erarbeitet werden.

 

 

Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache

 
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