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Christian Fandrychs und Maria Thurmairs Grammatik erscheint bereits in der 3. aktualisierten Auflage. (Fotos: privat)
Nachgefragt bei Prof. Dr. Christian Fandrych und Prof. Dr. Maria Thurmair

„Ein Werk, das in übersichtlicher und lesbarer Form grammatisches Grundlagenwissen zum Deutschen vermittelt und dabei die Vermittlungsperspektive einnimmt“

ESV-Redaktion Philologie
16.09.2026
Die Gründe, aus denen Menschen Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache lernen, differenzieren sich zunehmend aus: Es gibt im In- und Ausland viele, die Deutsch für den Beruf lernen wollen, Studierende lernen Deutsch beispielsweise für das Auslandssemester, Schülerinnen und Schüler für ein Austauschprogramm. Geflüchtete kommen wiederum mit einer anderen Ausgangsbasis in den Unterricht. Aufgrund der unterschiedlichen Kontexte, in denen sprachlich gehandelt wird, plädieren unsere Autorin Prof. Dr. Maria Thurmair und unser Autor Prof. Dr. Christian Fandrych dafür, die deutsche Grammatik stets in Zusammenhang mit dem jeweiligen Sprachgebrauch zu verstehen. Unterstützung dabei, wie Lehrende die deutsche Grammatik verständlich und praxisnah vermitteln können, gibt das Buch mit zahlreichen „Didaktischen Fenstern“.
Im Interview erzählen uns Christian Fandrych und Maria Thurmair Näheres zu ihrem in der Reihe Grundlagen Deutsch als Fremd- und Zweitsprache erschienenen Band „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“: 

Ihr nun bereits in der 3. Auflage erscheinendes Buch „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Grundlagen der Vermittlung“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wichtigsten Themen der deutschen Grammatik aus der Vermittlerperspektive zu beleuchten. Damit wurde es zu einem Standardwerk in der Lehre des Fachs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Was zeichnet Ihren Blick auf die Thematik aus?

Christian Fandrych / Maria Thurmair: Zunächst freuen wir uns sehr über das große und breite Interesse an dem Buch. Unser Anliegen war es, die wichtigsten für die Vermittlung des Deutschen relevanten grammatischen Themen verständlich, aber auf einer soliden linguistischen Grundlage darzustellen, und dabei die Vermittlungs- und Lernperspektive immer mitzudenken. Zugleich sollte das Buch lesbar sein, also für die selbstständige Lektüre oder auch für die Vorbereitung von Lehrveranstaltungen geeignet sein. Und es sollte an wichtigen Stellen Reflexionen zur Relevanz oder auch zur Besonderheit bestimmter grammatischer Phänomene im Vergleich zu anderen Sprachen enthalten.

Das Buch ist in elf große Hauptkapitel aufgeteilt und beschäftigt sich mit den wichtigsten Phänomenen der deutschen Grammatik. Bitte erläutern Sie unseren Leserinnen und Lesern kurz den Aufbau des Buchs.

Christian Fandrych / Maria Thurmair: Das Buch geht zunächst von den wichtigsten Wortarten und ihren grammatischen Eigenschaften aus und nimmt dann größere sprachliche Einheiten (Satzglieder, Sätze, Satzverbindungen) in den Blick. Dabei werden aber schon bei der Behandlung der Wortarten immer auch satzbezogene und textuelle Aspekte mit behandelt, Sprachverwendungsaspekte aufgezeigt und es wird auch auf sprachliche Variation eingegangen. Wichtig war uns auch die ausführliche Behandlung der Wortstellung im Deutschen, die an verschiedenen Stellen ausführlich thematisiert wird, denn sie stellt ein besonderes Lernproblem dar und ist auch von viel kontextuell und textuell bedingter Variation gekennzeichnet.

Auszug aus: „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Grundlagen und Vermittlung“ 15.09.2026
Deutsche Grammatik gut strukturiert und verständlich vermitteln
Spricht man Deutsch als Erstsprache, verwendet man viele Ausdrücke und grammatische Konstruktionen selbstverständlich. Das kann es schwierig machen, Deutschlernenden bestimmte Fragen wie „Wann verwendet man ‚haben‘ und wann ‚sein‘ in der Perfektbildung?“ oder „Wie kann ich die typische Satzkomplexität im Deutschen besser verstehen?“ zu beantworten. Das mittlerweile zum Standardrepertoire der Didaktik deutscher Grammatik zählende Werk „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ erscheint nun in seiner 3. aktualisierten Auflage und unterstützt Sie bei der Vermittlung der deutschen Sprache. mehr …

Im Buch gibt es insgesamt 20 sogenannte „Didaktische Fenster“. Was ist das Ziel dieser Abschnitte?

Christian Fandrych / Maria Thurmair: In den Didaktischen Fenster greifen wir übergeordnete Fragen der Vermittlung von grammatischen Strukturen gezielt und gebündelt auf; dabei kann es um methodische Aspekte gehen, wie etwa das Erstellen einer sinnvollen Progression, Übungstypen, Umgang mit grammatischen Regeln oder den Einsatz von Mnemotechniken und Visualisierung. Für bestimmte, meist als schwierig angesehene Grammatik-Themen, wie etwa Artikelverwendung, Adjektivdeklination, die Form es, Wortstellung oder Modalpartikeln machen wir dort auch konkrete Didaktisierungsvorschläge. Dafür beziehen wir auch empirische Daten aus Lernerkopora mit ein und besprechen einschlägige lernersprachliche Beispiele. Auch die unserer Meinung nach besonders empfehlenswerte textsortenbezogene Grammatikvermittlung wird an konkreten Themen vorgestellt. Die didaktischen Fenster lassen sich übrigens weitgehend unabhängig von den jeweiligen Kapiteln rezipieren und im Vermittlungskontext umsetzen.

Sie sprechen in Ihrem Buch die „zunehmende Diversifizierung von Lernkontexten und Lehr- und Lernsituationen“ an. Was raten Sie Lehrenden, wie sie damit am besten umgehen können?


Christian Fandrych / Maria Thurmair: Vermittlungssituationen und Lernkontexte sind in der Tat zunehmend diversifiziert. Das äußert sich an vielen Stellen im Unterrichtskontext. Je nach Lernort werden etwa die sprachlichen Kompetenzen unterschiedlich gewichtet, stehen andere Themen im Vordergrund und es gibt ein breites Spektrum bei den eingesetzten Medien. So wird Deutsch zwar immer noch häufig in Bildungsinstitutionen vermittelt (etwa Schulen und Universitäten), daneben aber erfolgt Sprachvermittlung auch immer öfter individualisierter, etwa in online- oder hybriden Kontexten. Unsere Grammatik soll Lehrenden und Studierenden für diese verschiedenen Kontexte ein Grundgerüst an grammatischem Wissen und wichtige Einblicke in Fragen der Grammatikvermittlung geben. Unter anderem aus diesem Grund versuchen wir auch, auf sprachliche Variation in unterschiedlichen Kommunikationsdomänen aufmerksam zu machen und so auch die Diversifizierung der Lernbedarfe im Blick zu behalten.

Basieren die Inhalte des Buchs auf Ihren eigenen Erfahrungen als Professor/-in für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache?

Christian Fandrych / Maria Thurmair: Ja, wir haben an verschiedenen Institutionen im In- und Ausland immer wieder mit der Frage der Rolle von Grammatik und von Grammatikvermittlung zu tun gehabt – sowohl im Sprachunterricht als auch in Seminaren und Fortbildungen an verschiedenen Universitäten und außeruniversitären Instituten. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass ein großer Bedarf an einem Werk besteht, das in übersichtlicher und lesbarer Form grammatisches Grundlagenwissen zum Deutschen vermittelt und dabei die Vermittlungsperspektive einnimmt. Für die Vermittlung des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache ist es ja wichtig, die Phänomene in den Vordergrund zu stellen, die für das Deutsche besonders typisch sind, die für Lernende nicht unbedingt leicht durchschaubar oder lernbar sind und für die auch viele Lehrerinnen und Lehrer gute Erklärungsansätze suchen. Wir hoffen, dass daher auch die dritte Auflage des Werks weiter auf großes Interesse stößt.

Herzlichen Dank für das Interview! 

Sind Sie neugierig geworden, liebe Leserinnen und Leser? Der Titel kann hier bestellt werden.

Zum Autor und zur Autorin 
Prof. Dr. Christian Fandrych hat als Universitätsdozent u.a. in Mexiko und am King's College London gearbeitet, seit 2006 ist er Professor für Deutsch als Fremdsprache am Herder-Institut der Universität Leipzig. Seine Schwerpunkte sind Grammatik- und Wortschatzvermittlung, Korpuslinguistik, Sprachvergleich und Sprache in Bildungsinstitutionen (v.a. im Hochschulbereich). Er hat zu verschiedenen sprachwissenschaftlichen und sprachdidaktischen Fragen publiziert und ist u.a. Autor der Lernergrammatiken "Klipp und Klar Grundstufe", "Klipp und Klar Mittelstufe".

Prof. Dr. Maria Thurmair ist seit über zwei Jahrzehnten als Professorin im Bereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität Regensburg tätig; Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind linguistische Themen. Sie ist Mitautorin bzw. Mitarbeiterin grammatischer Werke ("Textgrammatik der deutschen Sprache" (Weinrich), "Grundwissen Grammatik" (Habermann/Diewald/Thurmair)) und Mitautorin von Lehrwerken und Lehrmaterial. Sie hat zahlreiche Publikationen zu vielfältigen Themen im Bereich der anwendungsbezogenen Sprachwissenschaft verfasst.

Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache
Grundlagen und Vermittlung 
Von Christian Fandrych und Maria Thurmair


Dieses Werk wendet sich an alle, die im Inland oder im Ausland Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowie Germanistik studieren oder unterrichten. Es führt in gut strukturierter und verständlicher Darstellung in die grundlegenden Themen der Grammatik des Deutschen ein. Diese werden mit praxisnahen Beispielen aus unterschiedlichen kommunikativen Situationen erläutert und mit vielen Übersichten und Tabellen anschaulich dargestellt.
Dabei behandelt diese Grammatik besonders diejenigen Phänomene ausführlicher, die beim Spracherwerb und bei der Sprachvermittlung besonders zentral sind und bezieht somit konsequent die Fremd- und Vermittlungsperspektive mit ein; auch kontrastive Aspekte werden durchgehend berücksichtigt.
Die Darstellung der grammatischen Gegenstände geht von Kapiteln zu verschiedenen Wortarten über zu größeren Einheiten. Sprachliche Variation wird immer wieder mit einbezogen. Daneben werden in „didaktischen Fenstern“ grundlegende und spezifische Fragen der Vermittlung der deutschen Grammatik verständlich und praxisnah vorgestellt und diskutiert. Anhand authentischer Lernerdaten wird zudem auf besonders relevante grammatische Lernprobleme und Erwerbsschwierigkeiten genauer eingegangen. Damit stellt dieses Werk eine hervorragende Arbeitsgrundlage für das Studium des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache und die Lehrerausbildung dar und eignet sich als Grundlage für Fortbildungsveranstaltungen wie für das Selbststudium.
Das Werk hat sich an vielen Standorten als umfassende und sehr gut verständliche, praxisnahe Übersichtsdarstellung bewährt.

Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache