„Ein Werk, das in übersichtlicher und lesbarer Form grammatisches Grundlagenwissen zum Deutschen vermittelt und dabei die Vermittlungsperspektive einnimmt“
Ihr nun bereits in der 3. Auflage erscheinendes Buch „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Grundlagen der Vermittlung“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wichtigsten Themen der deutschen Grammatik aus der Vermittlerperspektive zu beleuchten. Damit wurde es zu einem Standardwerk in der Lehre des Fachs Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Was zeichnet Ihren Blick auf die Thematik aus?
Christian Fandrych / Maria Thurmair: Zunächst freuen wir uns sehr über das große und breite Interesse an dem Buch. Unser Anliegen war es, die wichtigsten für die Vermittlung des Deutschen relevanten grammatischen Themen verständlich, aber auf einer soliden linguistischen Grundlage darzustellen, und dabei die Vermittlungs- und Lernperspektive immer mitzudenken. Zugleich sollte das Buch lesbar sein, also für die selbstständige Lektüre oder auch für die Vorbereitung von Lehrveranstaltungen geeignet sein. Und es sollte an wichtigen Stellen Reflexionen zur Relevanz oder auch zur Besonderheit bestimmter grammatischer Phänomene im Vergleich zu anderen Sprachen enthalten.
Das Buch ist in elf große Hauptkapitel aufgeteilt und beschäftigt sich mit den wichtigsten Phänomenen der deutschen Grammatik. Bitte erläutern Sie unseren Leserinnen und Lesern kurz den Aufbau des Buchs.
Christian Fandrych / Maria Thurmair: Das Buch geht zunächst von den wichtigsten Wortarten und ihren grammatischen Eigenschaften aus und nimmt dann größere sprachliche Einheiten (Satzglieder, Sätze, Satzverbindungen) in den Blick. Dabei werden aber schon bei der Behandlung der Wortarten immer auch satzbezogene und textuelle Aspekte mit behandelt, Sprachverwendungsaspekte aufgezeigt und es wird auch auf sprachliche Variation eingegangen. Wichtig war uns auch die ausführliche Behandlung der Wortstellung im Deutschen, die an verschiedenen Stellen ausführlich thematisiert wird, denn sie stellt ein besonderes Lernproblem dar und ist auch von viel kontextuell und textuell bedingter Variation gekennzeichnet.
| Auszug aus: „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Grundlagen und Vermittlung“ | 15.09.2026 |
| Deutsche Grammatik gut strukturiert und verständlich vermitteln | |
| Spricht man Deutsch als Erstsprache, verwendet man viele Ausdrücke und grammatische Konstruktionen selbstverständlich. Das kann es schwierig machen, Deutschlernenden bestimmte Fragen wie „Wann verwendet man ‚haben‘ und wann ‚sein‘ in der Perfektbildung?“ oder „Wie kann ich die typische Satzkomplexität im Deutschen besser verstehen?“ zu beantworten. Das mittlerweile zum Standardrepertoire der Didaktik deutscher Grammatik zählende Werk „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ erscheint nun in seiner 3. aktualisierten Auflage und unterstützt Sie bei der Vermittlung der deutschen Sprache. mehr … | |
Im Buch gibt es insgesamt 20 sogenannte „Didaktische Fenster“. Was ist das Ziel dieser Abschnitte?
Christian Fandrych / Maria Thurmair: In den Didaktischen Fenster greifen wir übergeordnete Fragen der Vermittlung von grammatischen Strukturen gezielt und gebündelt auf; dabei kann es um methodische Aspekte gehen, wie etwa das Erstellen einer sinnvollen Progression, Übungstypen, Umgang mit grammatischen Regeln oder den Einsatz von Mnemotechniken und Visualisierung. Für bestimmte, meist als schwierig angesehene Grammatik-Themen, wie etwa Artikelverwendung, Adjektivdeklination, die Form es, Wortstellung oder Modalpartikeln machen wir dort auch konkrete Didaktisierungsvorschläge. Dafür beziehen wir auch empirische Daten aus Lernerkopora mit ein und besprechen einschlägige lernersprachliche Beispiele. Auch die unserer Meinung nach besonders empfehlenswerte textsortenbezogene Grammatikvermittlung wird an konkreten Themen vorgestellt. Die didaktischen Fenster lassen sich übrigens weitgehend unabhängig von den jeweiligen Kapiteln rezipieren und im Vermittlungskontext umsetzen.
Sie sprechen in Ihrem Buch die „zunehmende Diversifizierung von Lernkontexten und Lehr- und Lernsituationen“ an. Was raten Sie Lehrenden, wie sie damit am besten umgehen können?
Christian Fandrych / Maria Thurmair: Vermittlungssituationen und Lernkontexte sind in der Tat zunehmend diversifiziert. Das äußert sich an vielen Stellen im Unterrichtskontext. Je nach Lernort werden etwa die sprachlichen Kompetenzen unterschiedlich gewichtet, stehen andere Themen im Vordergrund und es gibt ein breites Spektrum bei den eingesetzten Medien. So wird Deutsch zwar immer noch häufig in Bildungsinstitutionen vermittelt (etwa Schulen und Universitäten), daneben aber erfolgt Sprachvermittlung auch immer öfter individualisierter, etwa in online- oder hybriden Kontexten. Unsere Grammatik soll Lehrenden und Studierenden für diese verschiedenen Kontexte ein Grundgerüst an grammatischem Wissen und wichtige Einblicke in Fragen der Grammatikvermittlung geben. Unter anderem aus diesem Grund versuchen wir auch, auf sprachliche Variation in unterschiedlichen Kommunikationsdomänen aufmerksam zu machen und so auch die Diversifizierung der Lernbedarfe im Blick zu behalten.
Basieren die Inhalte des Buchs auf Ihren eigenen Erfahrungen als Professor/-in für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache?
Christian Fandrych / Maria Thurmair: Ja, wir haben an verschiedenen Institutionen im In- und Ausland immer wieder mit der Frage der Rolle von Grammatik und von Grammatikvermittlung zu tun gehabt – sowohl im Sprachunterricht als auch in Seminaren und Fortbildungen an verschiedenen Universitäten und außeruniversitären Instituten. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass ein großer Bedarf an einem Werk besteht, das in übersichtlicher und lesbarer Form grammatisches Grundlagenwissen zum Deutschen vermittelt und dabei die Vermittlungsperspektive einnimmt. Für die Vermittlung des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache ist es ja wichtig, die Phänomene in den Vordergrund zu stellen, die für das Deutsche besonders typisch sind, die für Lernende nicht unbedingt leicht durchschaubar oder lernbar sind und für die auch viele Lehrerinnen und Lehrer gute Erklärungsansätze suchen. Wir hoffen, dass daher auch die dritte Auflage des Werks weiter auf großes Interesse stößt.
Herzlichen Dank für das Interview!
Sind Sie neugierig geworden, liebe Leserinnen und Leser? Der Titel kann hier bestellt werden.
| Zum Autor und zur Autorin |
| Prof. Dr. Christian Fandrych hat als Universitätsdozent u.a. in Mexiko und am King's College London gearbeitet, seit 2006 ist er Professor für Deutsch als Fremdsprache am Herder-Institut der Universität Leipzig. Seine Schwerpunkte sind Grammatik- und Wortschatzvermittlung, Korpuslinguistik, Sprachvergleich und Sprache in Bildungsinstitutionen (v.a. im Hochschulbereich). Er hat zu verschiedenen sprachwissenschaftlichen und sprachdidaktischen Fragen publiziert und ist u.a. Autor der Lernergrammatiken "Klipp und Klar Grundstufe", "Klipp und Klar Mittelstufe". Prof. Dr. Maria Thurmair ist seit über zwei Jahrzehnten als Professorin im Bereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität Regensburg tätig; Schwerpunkte in Lehre und Forschung sind linguistische Themen. Sie ist Mitautorin bzw. Mitarbeiterin grammatischer Werke ("Textgrammatik der deutschen Sprache" (Weinrich), "Grundwissen Grammatik" (Habermann/Diewald/Thurmair)) und Mitautorin von Lehrwerken und Lehrmaterial. Sie hat zahlreiche Publikationen zu vielfältigen Themen im Bereich der anwendungsbezogenen Sprachwissenschaft verfasst. |
| Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache Grundlagen und Vermittlung Von Christian Fandrych und Maria Thurmair
|
Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache