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Prof. Dr. Stefanie Hehn, Prof. Dr. Markus Hehn (Fotos: Stefanie und Markus Hehn)

Hehn: „Tolle Finanzierungsmöglichkeiten am Markt für Mittelständler“

(ESV-Redaktion/ConsultingBay)
20.03.2019
Die ESV-Redaktion sprach mit den Finanzwissenschaftlern und ESV-Autoren Prof. Dr. Stefanie Hehn und Prof. Dr. Markus Hehn in Teil 2 unseres Interviews über aktuelle Tendenzen bei der Unternehmensfinanzierung, Finanzierungsprobleme des Mittelstandes sowie die Auswirkungen des Brexit.
Lesen Sie den ersten Teil des Interviews auf ESV.info.

Lassen sich beim Thema  Unternehmensfinanzierung derzeit bestimmte Tendenzen feststellen?        

Stefanie Hehn: Eine sehr positive Tendenz ist sicherlich, dass die meisten Unternehmen sich mittlerweile auch mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten aktiv beschäftigen. Während vor einigen Jahren noch die klassische Bankfinanzierung die alleinige Möglichkeit der Finanzierung war, rücken zunehmend in der aktuellen Generation der Unternehmer neue Finanzierungsformen in den Fokus.

„Alternative Finanzierungsformen gewinnen an Bedeutung”

Private-Equity in der Vergangenheit noch als „böse Heuschrecken“ bezeichnet, hat sich mittlerweile zu einer sehr etablierten Finanzierungsform auch im Mittelstand entwickelt. Neue Formen wie Crowdfunding oder aber auch das bereits langjährig bekannte Mezzanine gewinnen wieder an Bedeutung.

Welche Finanzierungsarten dominieren nach Ihrer Wahrnehmung in Deutschland? Was hat sich verändert?

Markus Hehn: Bei den Unternehmensfinanzierungen setzt sich der Kreditboom fort, aber auch die bereits skizzierten neuen Möglichkeiten wachsen weiter.

Zur klassischen Fremdfinanzierung: Betrachtet man das ausstehende Kreditvolumen so sah man 2018 das höchste Q3-Volumen seit Einführung des Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies gleichbedeutend mit einem Zuwachs von 5,4 Prozent. Vor dem Hintergrund der drohenden konjunkturellen Abschwächung dürfte der Höhepunkt des Kreditzyklus fast erreicht sein. Ebenfalls anhaltend ist der Aufwärtstrend im Leasing. Eine aktuelle Tendenz ist in einer Verschiebung der Fristigkeit hin zu kurz- und mittelfristigen Krediten sichtbar.

„Starke und zunehmende Dominanz des Kreditgeschäfts”

Des weiteren zeigt sich ein Trend darin, dass Unternehmen zunehmend Anleihen durch Kredite substituieren. Das Anleihegeschäft verlief im dritten Quartal 2018 schwach und auch am Aktienmarkt gab es keine größeren Emissionen. Auch andere Finanzierungsmöglichkeiten, wie z.B. die Emission von Commercial Paper durch Nichtbanken, verlaufen rückläufig. Dies zeigt zusammenfassend die starke und sogar zunehmende Dominanz des Kreditgeschäfts, insbesondere im Kontext der Fremdfinanzierung.

Prof. Dr. Stefanie Hehn ist Professorin für Corporate Finance und Kapitalmarkttheorie an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen am Rhein. Nach ihrem Studium in Trier promovierte sie zum Dr. rer. pol. in Volkswirtschaftslehre und Mathematik. Von 2005 bis 2018 arbeitete sie im Deutsche Bank Konzern und bekleidete dort mehrere Führungspositionen im In- und Ausland. Von 2003 bis 2018 unterrichtete sie als Lehrbeauftragte und Associate Professor an mehreren Hochschulen in Deutschland und Luxemburg.

Prof. Dr. Markus Hehn ist Professor für Corporate Finance an der Hochschule Mainz, zuvor war er Professor für Finanzmanagement an der Europäischen Fachhochschule in Brühl (EUFH). Nach seinem Studium war er zunächst bei der DZ BANK AG tätig, zuletzt als Director M&A. Parallel promovierte er an der Hochschule St. Gallen (HSG) zum Dr. oec. Anschließend wechselte er zu Deloitte Tax & Consulting S.A. nach Luxemburg, wo er den Bereich Green Tech und German M&A verantwortete. Neben seiner Professur ist er geschäftsführender Gesellschafter der MA-Solutions GmbH.
 

Wird sich diese Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung  in den nächsten zwei bis fünf Jahren grundlegend verändern?   

Stefanie Hehn: Die mittelfristige Entwicklung der Unternehmensfinanzierung und damit der Finanzierungsarten in Deutschland ist stark abhängig von dem Zinsumfeld. Sollte die Niedrigzinsphase noch weiter anhalten bzw. etwaige Zinsanhebungen seitens der Zentralbank moderat ausfallen, dann ist aufgrund der nach wie vor ungebrochenen Dominanz der Attraktivität von Kreditfinanzierungen nicht zu erwarten dass die Unternehmen neben die Innenfinanzierung und die Kreditfinanzierung signifikant substituieren werden. Dennoch sind Trends hin zu alternativen Finanzierungsformen erkennbar.

Ein Problemfeld ist die Finanzierung im Mittelstand. Hier herrscht häufig Unzufriedenheit mit den Kapitalgebern. Was raten Sie mittelständischen Unternehmen?

Markus Hehn: Der Mittelstand bevorzugt seit jeher die Finanzierunginstrumente der Innenfinanzierung sowie die herkömmliche Kreditfinanzierung, zumeist in enger Beziehung mit der Hausbank. Andere Finanzierungsformen z.B. Mezzanine- oder Beteiligungskapital werden immer noch teilweise als nicht geeignet bzw. nicht tauglich für mittelständische Unternehmen qualifiziert.

„Augen offen halten und sich mit Alternativen beschäftigen”

Positiv ist die zunehmende Offenheit der mittelständischen Unternehmen für neue Möglichkeiten der Finanzierung. Allen Unternehmern, die noch nicht so offen für neue Alternativen sind, ist zu empfehlen sich mit den sich ständig wandelnden Formen der Unternehmensfinanzierung aktiv zu beschäftigen und offen zu prüfen, ob es sinnvolle Finanzierungsoptionen gibt. Also der Rat an mittelständische Unternehmen: Halten Sie die Augen offen nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten und beschäftigen Sie sich ergebnisoffen mit diesen Alternativen. Unter Umständen bieten sich tolle neue Finanzierungsmöglichkeiten am Markt.  

Neben dem Mittelstand möchte das Bundeswirtschaftsministerium 2019 insbesondere Startups und Gründungen mit Förderprogrammen finanziell unterstützen. Sind solche Programme  praxistauglich? 
 
         
Stefanie Hehn: Der Prozess der Fördermittelbeschaffung ist häufig äußerst komplex. Es werden Fachwissen und vor allem auch Erfahrung benötigt, so dass dies für Startups besonders herausfordernd sein kann. Zudem kann die Fördermittelbeschaffung nicht einfach nebenbei, parallel zum Tagesgeschäft, bewerkstelligt werden. Insgesamt ist es natürlich positiv für die Unternehmen, aber auch für die gesamte Volkswirtschaft, wenn es neue Fördermaßnahmen für Start-up Unternehmen gibt.

„Nur transparente und einfache Förderprogramme helfen Start-ups wirklich”

Wichtig wäre es allerdings auch, wenn die Maßnahmen dort ankommen, wo sie hinkommen sollen. Für Start-up Unternehmen ist eine solide Finanzierung wichtig auf dem Weg in die nächsten Unternehmensphasen, aber Start-up Unternehmen haben in der Regel auch keine eigene Abteilung, die sich mit dem Thema beschäftigt. Finanzierung ist für diese Unternehmen mehr oder minder ein notwendiges Übel neben vielen anderen Themen. Aus diesem Grund wäre es wichtig, wenn die Programme transparent und einfach in der Beantragung wären, damit möglichst viele junge Unternehmen in den Genuss der Unterstützung kommen würden.

Momentan ist das Brexit Chaos ja riesengroß; jeden Tag erhalten wir neue Informationen. Welche  Auswirkungen hat der Brexit auf die Unternehmensfinanzierung?

Markus Hehn: Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Zum einen weiß gegenwärtig noch niemand, wie der Brexit aussehen wird, noch wann er tatsächlich stattfindet. Zum anderen hängen die Auswirkungen jeweils von der speziellen Unternehmenskonstellation ab. Die Herausforderung liegt bei dem momentan zu erwartenden Austrittsszenario eher bei internationalen Unternehmen, die ihre Tochterunternehmen in UK mit Finanzmitteln ausstatten müssen. Für diese Unternehmen ist das Thema Finanzierung sicherlich nur eines von mehreren schwierigen Aspekten. Kleinere und mittlere Unternehmen mit keinem oder geringem Bezug nach UK werden zumindest in der Finanzierung keine Einschränkungen erleben. Diese Aussage gilt umso mehr, als dass Banken aus UK in der deutschen Unternehmensfinanzierung kaum eine Rolle spielen.

Lesen Sie den ersten Teil des Interviews auf ESV.info.

Unternehmensfinanzierung

Prof. Dr. Stefanie Hehn, Prof. Dr. Markus Hehn

Die Planung und Steuerung der Unternehmensfinanzierung zählt zu den betriebswirtschaftlichen Schlüsselfunktionen. Im globalen Wettbewerb und mit neuen Technologien sind dabei auch innovative Finanzierungsformen wie Crowdfunding zunehmend gefragt.

Was erfolgreiche Finanzierungsentscheidungen ausmacht, zeigen Ihnen Stefanie Hehn und Markus Hehn auf Basis aktueller Marktdaten.

  • Grundlagen der Unternehmensfinanzierung: Systematisierung der Finanzierung und finanzwirtschaftliche Ziele (Rentabilität, Liquidität, Sicherheit, Unabhängigkeit)
  • Finanzierung im Unternehmenslebenszyklus: Start-ups, Wachstumsunternehmen, etablierte Unternehmen, Krisenunternehmen
  • Eigenfinanzierung: durch Einlage der Gründungsgesellschafter, durch Crowdfunding, M&A oder Going Public
  • Fremdfinanzierung: Kreditfinanzierung, Mezzanine-Finanzierung

Eine leicht verständliche Einführung, die mit hohem Maß an Visualisierung, vielen Beispielen und großem Übungsteil überzeugt.




(ESV/uw)

Programmbereich: Management und Wirtschaft