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Fintechs
Twitter weiterempfehlen  24.01.2018

Kunschke: „FinTechs überführen nicht nur bekannte Geschäftsfelder in die digitale Zukunft“

ESV-Redaktion Recht
Kunschke: „Kryptowährungen können in einigen Jahren etablierte Anlageprodukte sein” (Foto: privat)
FinTech basieren auf neuen Technologien im Finanzbereich und sollen kundenorientierter sein. Antworten auf die Frage, wie Fintechs den Finanzmarkt revolutionieren, gibt Dennis Kunschke - Counsel bei Allen & Overy LLP - im Interview mit der ESV-Redaktion.
Herr Kunschke, in welchen Erscheinungsformen und Anwendungsfeldern kommen FinTechs im Markt vor?

Dennis Kunschke: Das ist ein ziemlich heterogenes Feld. In vielen Fällen geht es ja darum, im Sinne eines „Unbundlings“ tradierte Geschäftsfelder der Finanzwirtschaft aufzubrechen und spezifische Leistungsbestandteile in die digitale Zukunft zu überführen.

So ist z.B. Robo-Advice, d.h. die automatisierte Anlageberatung, im Kern nicht neu. Die Anlageberatung soll nur kundenfreundlicher und effizienter werden. In diesem Sinne sind auch die neuen Erscheinungsformen der Kreditintermediation durch z.B. P2P-Kreditplattformen, innovative Zahlungsverkehrslösungen und der Bereich InsurTech zu sehen.

Zur Person
Rechtsanwalt Dennis Kunschke, Counsel bei Allen & Overy in Frankfurt, ist auf das Finanzaufsichtsrecht spezialisiert. Vor seiner Tätigkeit bei Allen & Overy war er u.a. Referent bei der Finanzaufsicht BaFin.“

FinTechs basieren auf neuen IT-Technologien, wie Blockchain oder distributed legders. Eine der bekanntesten Blockchain-Anwendungen ist die virtuelle Währung Bitcoin. Was ist denn das Neue an diesen Technologien und wo liegen deren Vorteile?

Dennis Kunschke: Die Blockchain-Technologie, also der Bereich Distributed Ledger Technology (DLT), auf der auch die bekannten Bitcoins laufen, ist anders zu beurteilen, d.h. es handelt sich nicht allein um die Überführung bekannter Geschäftsfelder in die digitale Zukunft. 

Hier liegt ein fundamentaler Strukturwandel vor - weg von zentralisierten - hin zu dezentralisierten Systemen. Ein gängiges Beispiel ist die dezentrale Wertpapierverwahrung und Abwicklung, die heute aufgrund rechtlicher Hindernisse nur sehr eingeschränkt möglich ist. Hierzu sind auch neue Erscheinungen wie Smart Contracts zu zählen, sprich die automatisierte Durchführung rechtlicher Vereinbarungen – nicht zu verwechseln mit der automatisierten Erstellung von Vertragsdokumenten, was eine Erscheinungsform von LegalTech bzw. RegTech darstellt.

Wenn dies richtig und sicher umgesetzt wird, kann DLT gerade diejenigen Risiken beseitigen, die daraus resultieren, dass bei zentralisierten Systemen immer eine Person in der Mitte steht. Diese kann nämlich im schlimmsten Fall ausfallen.

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Startet bald ein Auto nicht mehr, wenn eine Rate ausbleibt? Möglich wäre dies durch Blockchain. Doch wie weit ist diese Technologie wirklich? Hiermit hat sich das SWIFT-Institute in einer Studie beschäftigt. mehr …

Sehen Sie bei den Kryptowährungen bereits Überhitzungseffekte und würden Sie Verbrauchern angesichts der Niedrigzinsphase raten, in Ripple, Ether, Litecoin oder Bitcoin zu investieren, der Spin nach oben scheint unbegrenzt, auch wenn der Litecoin Gründer Lee kürzlich ob der Kursentwicklung Alarm schlug? 

Dennis Kunschke: Ich bin kein „Börsenguru“, sondern einfacher Jurist. Das muss jeder selbst mit sich ausmachen. Wichtig ist, dass man sich zunächst umfassend über die Risiken informiert.

Um klassische Anlageprodukte handelt es sich jedoch derzeit auf keinen Fall. Ich denke, der derzeit enorme Anstieg von ICOs, also der Neuemission von Kryptowährungen, wird sehr schnell zu einer Standardisierung führen. In einigen Jahren könnte es sich also um ein etabliertes Anlageprodukt handeln.

Anbieter von FinTechs treten oft als sogenannte Startups auf. Welche Vorteile haben Startups und wo liegen deren Nachteile?

Dennis Kunschke: Startups können unkonventionell und flexibel reagieren. Sie unterliegen keinen oftmals behördenartigen Strukturen wie die „Dinosaurier“. Wir sehen jedoch zunehmend eine Flexibilisierung auch bei den klassischen Marktteilnehmern. Oft stellt die Finanzierung die Startups vor enorme Probleme. Da wird die Spreu schnell vom Weizen getrennt.

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Ein Wort zu Ihrem Werk: Welche Ziele verfolgen Sie damit? Sie sprechen von einer Plattform-Publikation. Was meinen Sie damit?


Dennis Kunschke: Ich hatte das Gefühl, dass es derzeit am Markt noch keine ansatzweise umfassende Darstellung des Phänomens FinTech gibt. Auch wenn die Beiträge einen unterschiedlichen Detailgrad aufweisen, sind in dem Werk alle wesentlichen „Spielarten“ erfasst.

Das Buch verfolgt keinen streng akademischen Ansatz. Den Bearbeitern wurde ein maximaler Freiraum bei der Beitragsgestaltung gegeben, d.h. Themen nur grob und ohne weitere Präzisierungen vorgegeben. So soll ein unverstellter Blick auf das Thema FinTech durch die jeweiligen Bearbeiter erreicht werden. Das Buch ist dadurch jedoch nicht komplett frei von Redundanzen und ein Stück weit „inhomogen“. Das ist jedoch gewollt und das soll das Schlagwort Plattform-Publikation veranschaulichen.

Ihr Ausblick: Wie sieht die Banken- und Finanzwelt im Jahr 2050 aus? Wird es dann noch Bargeld geben?


Dennis Kunschke: Ich denke physische Elemente wie z.B. Kreditkarten wird es dann längst nicht mehr geben. Zahlungen erfolgen automatisch durch die Identifizierung einer Person anhand Gesichtserkennung oder ähnlichem. Damit verliert das Bargeld aus der rein technischen Perspektive auch seine Daseinsberechtigung – wie heutzutage schon fast.

Für viele Menschen hat die Möglichkeit, anonym bezahlen zu können, etwas mit persönlicher Freiheit zu tun. Es wird also bestimmt immer kleinere Ersatzwährungen geben, die im nicht-digitalen Raum existieren. 

Lesen Sie im vollständigen Interview:
  • Welche weiteren Geschäftsfelder können aus dem Fintech-Ansatz entstehen?
  • Haben die klassichen Finanzmarktakteure bereits den Anschlusss verpasst?
  • Welche Rolle spielen die Finaufsichtsbeörden?  
  • Wie steht es um die Datensicherheit bei FinTechs?
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Starting up in FinTech

FinTech - Herausgegeben von: Dennis Kunschke, Kai Schaffelhuber

Eines der ersten Werke im deutschen Markt, das Regulierung, Finanzierung und rechtliche Ausgestaltung von FinTechs systematisch und praktikabel in den Blick nimmt. 

FinTechs im Praxis-Check
  • Aktueller Status-quo: Welche praktischen Anwendungsfelder gibt es? Wie verändert FinTech den traditionellen Bankensektor?
  • Regulatorische Aspekte: Bankaufsichtsrechtliche Anforderungen, Kreditplattformen, Crowdfunding, Zahlungsverkehr, Robo-Advice
  • Investition in FinTech: Finanzierungsformen, MPL-Verbriefungs-Modell
  • Steuerrechtliche Aspekte des FinTech-Sektors
  • Case-Studies und aktuelle Trends

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(ESV/bp)

Programmbereich: Bank- und Kapitalmarktrecht

 
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