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Muster in Sprache und Kommunikation
Twitter weiterempfehlen  15.07.2019

Mustergültig! Beispielhafte Sprachstrukturen

ESV-Redaktion Philologie
Sprachliche Muster können mitunter sehr vielschichtig sein. (Foto: 4th Life Photography/Fotolia.com)
Zu verstehen, wie in Sachen Sprach- und Kommunikationsstrukturen „der Hase läuft“, ist ein vielschichtiges Projekt. Es erfordert, sich nicht nur mit Sprichwörtern zu beschäftigen, sondern auch kleinteiligere Muster auf anderen Gebieten der Linguistik genaustens unter die Lupe zu nehmen.
Ob Lexikon, Morphologie oder Syntax – jede linguistische Unterdisziplin wird in dem neu erschienenen Band „Muster in Sprache und Kommunikation“ aus der Reihe „Grundlagen der Germanistik (GrG)“ auf sprachliche Strukturen und Muster hin untersucht. In der folgenden Leseprobe widmet sich das Autorenduo Stephan Stein und Sören Stumpf der Form und Funktion phraseologischer Muster in Pressetexten:

Redensarten, überall

Wer mit offenen Augen durch die Welt der Medientexte streift, dem springen feste Wortverbindungen auf Schritt und Tritt ins Auge; zur Illustration eine kleine Auswahl von Beispielen aus einer Wochenendausgabe der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG (SZ 75, Osterausgabe vom 31.03./01.04./02.04.2018): Wo der Hase läuft (S. 1), Witz lass nach (S. 12), Nerven aus Stahl (S. 26), Heimchen auf dem Herd (S. 29), Monsieur Jean-Philippe macht sein Ding (S. 36), Unter uns (S. 48), Der Anfang vom Ende (S. 71), „Die Fahrkarten, bitte“ (S. 71).

Der idiomatische Wiedererkennungswert in Pressetexten

Es handelt sich dabei in allen Fällen um Überschriften redaktioneller Texte. Solche Wortverbindungen sind (oder erscheinen zumindest) kompetenten Sprecher(inne)n bekannt. Die Bekanntheit und die Wiedererkennbarkeit „hängen“ gewissermaßen an der lexikalischen Ausdrucksgestalt selbst. Dabei lassen die Beispiele erkennen, dass die Wortverbindungen nicht zwangsläufig in der bekannten Form (sein Ding machen, unter uns [gesagt], Die Fahrkarten, bitte) vorkommen müssen, sondern auch in veränderter, z. B. verkürzter und/oder im Wortbestand modifizierter Weise auftreten können (wissen/jmdm. zeigen, wie der Hase läuft, Schmerz/Schreck, lass nach, ein Heimchen am Herd, Das ist/war der Anfang vom Ende), ohne dass die Wiedererkennbarkeit beeinträchtigt wäre. Zu beobachten ist auch, dass eine Wortfolge hauptsächlich semantisch und nur teilweise im Ausdruck an eine feste Wortverbindung angelehnt zu sein scheint, wie etwa bei Nerven aus Stahl (nach Nerven wie Drahtseile haben). Erkennbar ist weiterhin, dass die Wortverbindungen z. T. wörtlich zu verstehen sind (Der Anfang vom Ende), aber auch Bedeutungen haben können, die sich nicht (vollständig) aus den Bedeutungen der einzelnen Bestandteile ableiten lassen (Wo der Hase läuft, Heimchen auf dem Herd). Darüber hinaus kann man ersehen, dass die Belege unterschiedliche Aufgaben haben bzw. Leistungen erbringen, beispielsweise dazu dienen, etwas (u. U. nur einzeltextbezogen verstehbar) zu bezeichnen und zu charakterisieren (Heimchen auf dem Herd) oder eine bestimmte Verwendungssituation aufzurufen („Die Fahrkarten, bitte“).

Phraseologie: viel mehr als nur plumpe Effekthascherei

Auch ohne zu berücksichtigen, um welche Phrasemklasse es sich jeweils handelt und in welcher Textsorte (aus welchem Ressort) die Belege zu finden sind, ist es schließlich naheliegend anzunehmen, dass es für den offensichtlich häufigen Einsatz an textlich exponierten Stellen wie Titeln und Überschriften Gründe gibt, nämlich dass sich auf diese Weise besondere Effekte erzielen lassen, die mit freien Wortverbindungen nicht ohne Weiteres zu erreichen wären. In der zuständigen linguistischen Teildisziplin, der Phraseologieforschung, ist diesbezüglich oft die Rede von semantischem oder pragmatischem Mehrwert, von Steigerung der Expressivität und von (textsortenabhängigen) Leistungen wie Kommentieren und Bewerten, Veranschaulichen, Ironisieren, Verstärken, Vereinfachen u. v. a. Es liegt mit solchen Wortverbindungen also eine sowohl in der Ausdrucksgestalt als auch im textkonstitutiven Potenzial besonders auffällige Erscheinungsform sprachlicher Musterhaftigkeit vor, die im Folgenden genauer unter die Lupe genommen wird.

Wenn Sie mehr dazu lesen wollen, empfehlen wir Ihnen das Buch:

Die Autoren
Prof. Dr. Stephan Stein ist Professor für Germanistische Linguistik an der Universität Trier. Seine Dissertation über „Formelhafte Sprache“ ist der Untersuchung pragmatischer und kognitiver Funktionen vorgeformter sprachlicher Einheiten gewidmet. Darüber hinaus hat er sich umfassend u. a. mit Wortbildung, Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Text und Textsortenlinguistik beschäftigt. Er ist Mitherausgeber der Reihe „Sprache – System und Tätigkeit“.

Dr. Sören Stumpf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Germanistischen Linguistik der Universität Trier. In seiner Dissertation über „Formelhafte (Ir)Regularitäten“ beschäftigt er sich mit scheinbar irregulären Einheiten und Strukturen innerhalb der Phraseologie. Zu seinen weiteren Arbeitsschwerpunkten gehören die Wortbildung und die Konstruktionsgrammatik. Er ist Mitherausgeber der internationalen Buchreihe „Formelhafte Sprache / Formulaic Language“.

Muster in Sprache und Kommunikation

Muster in Sprache und Kommunikation sind ein grundlegendes und überaus facettenreiches Merkmal natürlicher Sprachen. Sowohl schriftlich als auch mündlich greifen Sprachteilhaberinnen und Sprachteilhaber tagtäglich auf musterhafte Strukturen und Einheiten zurück. Das Spektrum an sprachlichen Mustern umfasst nicht nur die in der herkömmlichen Phraseologie behandelten Wortverbindungen bzw. Phraseme. Vielmehr kommen vielfach variierte Muster überall in Sprache und Kommunikation vor, so etwa auf der Wort-, Satz- und Textebene, in Gesprächen und transtextuellen Diskursen.
Diese Einführung gibt einen Überblick über die Ausprägungen sprachlicher Muster der deutschen Gegenwartssprache. Anhand authentischer Beispiele werden die jeweiligen Charakteristika und die kommunikative Relevanz von Musterhaftigkeit herausgearbeitet.

 

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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