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Meisterwerke spanischer Malerei in Einzeldarstellungen
Twitter weiterempfehlen  14.08.2018

Romero de Torres’ Meisterwerk „Cante jondo“ in neuem Licht

ESV-Redaktion Philologie
Leidenschaft und Gewalt in Julio Romero de Torres’ Meisterwerk: Cante jondo (1923/30) (© Córdoba, Museo Julio Romero de Torres)
Cordoba baute ihm ein imposantes Monument, er brachte den Andalusien-Mythos in die Malerei, Spanien druckte seine Werke auf Briefmarken und Geldscheine: Romero de Torres’ Werk ist bis heute allgegenwärtig in der spanischen Lebenswelt. Sein Ölgemälde „Cante jondo“ gilt als Schlüsselwerk eines zeitlosen Stils.
„Das dem Symbolismus zuzuordnende Werk von Romero de Torres stand und steht […] in einem Spannungsfeld zwischen Regionalem und Nationalem sowie Populärem und Klassisch-Elitärem und erwies sich als so vieldeutig und anbindungsfähig, dass es sowohl von der Zweiten Republik als auch vom Franco-Regime für sich beansprucht werden konnte und zugleich dazu geeignet war, neben Gedichten von Manuel Machado auch Alkoholika- und Schuhwerbung zu inspirieren. [...]

Die charakteristisch in erdigen dunklen Tönen gehaltenen Gemälde zeigen fast ausschließlich Frauen und visualisieren das Lebensgefühl des Flamenco, den Antonio Machado als metaphysische Folklore bezeichnet hat. In dieser Formel liegt auch ein Schlüssel zum Verständnis der Werke von Romero de Torres, die den Flamenco symbolisch überhöhen und ihm quasi religiöse Züge verleihen. Besonders anschaulich lässt sich dies an dem in den 1920er Jahren entstandenen Gemälde „Cante jondo“ zeigen, das zentrale Aspekte seines Werkes zusammenführt und als eines seiner komplexesten Bilder angesehen werden kann.“

Herkunft und Bedeutung des „Cante Jondo“

„Der cante ist ein melismatischer Gesang, bei dem die Tonhöhe einer Silbe beim Gesang verändert wird und somit mehrere Töne auf einen Vokal gesungen werden. Die Inquisition hatte dies als jüdisch-arabisch stigmatisiert und praktisch verboten, so dass der Flamenco erst mit der Abschaffung der Inquisition 1834 öffentlich wieder aufleben konnte. [...]

Julio Romero de Torres wurde mitten in diese Blütezeit des Flamenco hineingeboren und laut eigener Aussage entscheidend davon geprägt. Demnach läge der Schlüssel zum Werk von Romero de Torres im tragischen Grundton des cante jondo, dessen Texte sich um die Themen Liebe und Tod drehen. Das Wort jondo dürfte die andalusische Aussprache von hondo (tiefgründig) widerspiegeln und darauf verweisen, dass der Gesang tiefe Empfindungen zum Ausdruck bringt. Landläufig wird der cante jondo mit dem Flamencogesang gleichgesetzt, Romero de Torres spricht jedoch bewusst nicht von Flamenco, sondern schreibt sich mit der Verwendung der Bezeichnung cante jondo in einen historischen Diskurs ein, der beides klar voneinander unterschied und von seinen Zeitgenossen Manuel de Falla und Federico García Lorca geprägt wurde. Beiden gilt der cante jondo als ursprünglich, der Flamenco hingegen als modern. Wie Lorca erläutert, sei der Flamenco erst im 18. Jahrhundert entstanden, während sich der cante jondo von orientalischen Formen herleite und zu den Ursprüngen zurückführe.“

Nachgefragt bei: Professor Ralf Junkerjürgen und Professor Helmut C. Jacobs 02.08.2018
Junkerjürgen: „Was könnte es Ansprechenderes geben als die Malerei?“
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Das Biographische in de Torres „Cante Jondo“

„Hat Romero de Torres zwar im Unterschied zu den genannten früheren allegorischen Bildern auf ein Selbstporträt verzichtet, so ist er jedoch über die genannten zahlreichen Selbstzitate aus seinen Werken in „Cante jondo“ präsent. Neben seinem Windhund hat er weiterhin seinen Sohn, der für sämtliche Männerfiguren, und seine Tochter, die für die Figur des trauernden Mädchens Modell gestanden hat, in das Bild mit aufgenommen. Dies gilt zwar auch für viele andere Bilder, dennoch fällt auf, dass diese biografische Ebene in „Cante jondo“ weitaus deutlicher erkennbar ist.

Vor diesem Hintergrund mag man das Bild trotz der unsicheren Datierung, wenn nicht als Abschiedsbild, das den eigenen erahnten Tod mitreflektiert – denn Romero de Torres wusste schon lange von seinem Leberleiden –, so doch wenigstens als „elocuente resumen de su arte“ verstehen, der über die Selbstzitate bis an die Anfänge seines Schaffens zurückreicht, eine große Anzahl typischer Motive aufnimmt, seinen symbolistischen Stil veranschaulicht und zugleich die lokale und universelle Rolle der andalusischen Folklore kondensiert, und über die biografischen Bezüge trotz seiner Artifizialität zugleich sehr persönlich ist.“

Zum zeitlosen Stil durch klassische Vorbilder

„Romero de Torres’ klare Absage an Realismus und Naturalismus, an den Modernismo und an die Avantgarde insgesamt zeugt von einer im Grunde klassischen Auffassung von Kunst, aus der er keinen Hehl machte, wenn er in Interviews äußerte, dass er nicht an die Modernität in der Kunst glaube, weil Kunst, wie das Beispiel Griechenland zeige, zeitlos sei. Indem er sich an den großen Meistern orientierte und seine Figuren in ihrer Nacktheit und Anbindung an die Volkstradition zeitlich weitgehend von der Gegenwart loslöste, verlieh er der Schönheit und in letzter Konsequenz der Kunst selbst einen zeitlosen Charakter. Damit geriet er in einen deutlichen Gegensatz zu den unterschiedlichen avantgardistischen Strömungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich nach und nach durchsetzten.“

(ESV/pa)
 
Meisterwerke der spanischen Malerei in Einzeldarstellungen

Prof. Dr. Ralf Junkerjürgen, Prof. Dr. Helmut C. Jacobs

Der Band bietet anhand von 32 Beispielen erstmals ein in deutscher Sprache abgefasstes, umfangreiches Panorama der spanischen Malerei, das vom Siglo de Oro bis in die Gegenwart reicht.
Die Sammlung lädt ein zur vertiefenden Betrachtung von Meisterwerken weltweit berühmter Maler wie El Greco, Goya, Picasso, Miró oder Dalí. Sie ermöglicht zugleich die Entdeckung von im deutschsprachigen Raum weniger bekannten Künstlern wie Sánchez Cotán, Juan Pantoja, Rosario Weiss, José de Madrazo, Lluïsa Vidal, Isabel Quintanilla oder Miquel Barceló.
Die Beiträge, die von ausgewiesenen Spezialisten aus Deutschland, Österreich und Spanien verfasst wurden, liefern mit jeder Einzeldarstellung auch eine Einführung in das Werk der jeweiligen Künstler und eröffnen über Literaturhinweise die Möglichkeit einer weiteren Auseinandersetzung. Flankiert werden sie jeweils von einer farbigen Abbildung des besprochenen Werkes.

Ralf Junkerjürgen ist Professor für romanische Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Spanien an der Universität Regensburg. Er hat bereits zahlreiche Publikationen zur spanischen Kulturgeschichte veröffentlicht.

Helmut C. Jacobs ist Professor für Hispanistik an der Universität Duisburg-Essen. Er hat zahlreiche Publikationen zur spanischen Malerei veröffentlicht, darunter zu Goya, Joan Miró und Joaquín Sorolla.

Programmbereich: Romanistik

 
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