Steppat: Hoher Wettbewerbsdruck von Hotelketten auf die Individualanbieter
Frau Steppat, Herr von Freyberg, die ITB meldet bereits jetzt Ausbuchung und Ausstellerrekorde, insbesondere fĂŒr das Themensegment eTravel und Travel Technology. In welchem MaĂ bestimmen KĂŒnstliche Intelligenz, Distribution und ePayment die Hotelbranche heute und in Zukunft?
Susanne Steppat: Wir haben in den letzten Jahren aufgrund der rasanten technologischen Entwicklungen schon massive MarktverÀnderungen beobachten können, z. B. im Bereich der Distribution.
âDer Markt verĂ€ndert sich â und setzt Hoteliers massiv unter Druckâ
Die Vermarktungshoheit hat sich stark verschoben und es sind Spieler wie booking.com oder Expedia auf den Markt gekommen, die diesen heute schon in weiten Teilen dominieren. Das setzt Hoteliers unter Druck. Es entsteht ein Zugzwang, welcher der Branche â die technologischen Entwicklungen traditionell skeptisch gegenĂŒbersteht â nicht behagt.Prof. Dr. Burkhard von Freyberg: Jedoch ist klar, dass sich dieser Trend nicht aufhalten lĂ€sst. Es heiĂt also, die Vorteile, welche digitale Technologien unbestritten bieten, also beispielsweise Effizienzgewinne  zu nutzen, wĂ€hrend die Herausforderungen wie Datenschutz, Sicherheit, Filtern des relevanten Know-hows usw. gemeistert werden mĂŒssen.
Problematisch ist hier, dass aufgrund der Unsicherheit ĂŒber die zukĂŒnftigen Entwicklungen und etwaiger Etablierung von Marktstandards gerade die Individualhotellerie eine abwartende Stellung einnimmt. Wie schnell die Hoteliers reagieren, kann aber ein entscheidender Erfolgsfaktor beim Meistern der digitalen Wende sein.
âDie âVapianisierungâ der Branche schreitet voranâ
Die Konzentration von Markenhotels und Hotelketten prĂ€gt den deutschen Hotelmarkt. Lifestyle-Hotels sind auf dem Vormarsch, die auf den Wandel von GĂ€steansprĂŒchen reagieren. Was bedeutet dies fĂŒr den Privathotelier mit seinem seit Jahrzehnten familiengefĂŒhrten Hotel?Susanne Steppat: Der Wettbewerbsdruck von Hotelketten auf die Individualanbieter ist seit Jahren in der Branche zu spĂŒren. In den nĂ€chsten Jahren wird es auch die Ferienhotellerie spĂŒren, Die âVapianisierungâ der Branche schreitet voran. Ketten profitieren von Skaleneffekten in einem MaĂe, wie es fĂŒr die Individualbetriebe niemals möglich wĂ€re.
Die logische Konsequenz ist, dass sich Individualanbieter in einer Art und Weise profilieren mĂŒssen, welche die Einzigartigkeit ihres Produktes unterstreicht, was den Gast ĂŒberzeugt, ein gewisses Preis-Premium zu akzeptieren. Dieser Differenzierungsstrategie folgen die Ketten nun aber mit den genannten Lifestyle-Hotels ebenfalls und versuchen erneut den Individualisten den Markt streitig zu machen.
âIndividualhotels weiterhin konsequent StĂ€rken nutzenâ
Gesagt werden muss allerdings, dass die Individualisierung in der Hardware des Produktes deutlich einfacher zu bewerkstelligen ist als in der Software. Individualhotels sollten also weiterhin konsequent versuchen, ihre StĂ€rken bei persönlicher Kundenansprache, Serviceexzellenz, dem Schaffen einzigartiger Erlebnisse und dadurch dem Aufbau von langfristigen Kundenbeziehungen zu nutzen.| Diplom-Kauffrau Susanne Steppat arbeitete nach ihrem Berufseinstieg zunĂ€chst als Consultant mit Stationen insbesondere bei der TREUGAST (zuletzt als Projektleiterin) und bei Jones Lang LaSalle Hotels mit Fokus auf Hotelimmobilien. Sie lehrte an der FakultĂ€t fĂŒr Tourismus der Hochschule MĂŒnchen und ist seit September 2012 Fachbereichsleiterin fĂŒr allgemeine Wirtschaftswissenschaften sowie fĂŒr Hospitality Management an der Fachhochschule Salzburg. Prof. Dr. Burkhard von Freyberg ist GeschĂ€ftsfĂŒhrender Gesellschafter des auf die Privathotellerie spezialisierten Beratungsunternehmens Zarges von Freyberg Hotel Consulting. Seit MĂ€rz 2009 hat er eine Professur fĂŒr Hospitality Management an der FakultĂ€t fĂŒr Tourismus der Hochschule MĂŒnchen inne. Vor der GrĂŒndung des eigenen Unternehmens war er u.a. mehrere Jahre bei der TREUGAST als Seniorberater tĂ€tig. |
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Was sind in diesem Kontext die hÀufigsten Fehler und VersÀumnisse der Privathoteliers und wie lassen sich diese vermeiden?
Susanne Steppat: Die abwartende Haltung, die ich schon im Zusammenhang mit der ersten Frage erwĂ€hnt habe, ist sicherlich eines der gröĂten Probleme. Themen mĂŒssen proaktiv und rechtzeitig angegangen werden. Das bedeutet natĂŒrlich auch, dass Ressourcen bereitgestellt werden mĂŒssen, was in der Individualhotellerie oft nicht einfach ist. Um diesbezĂŒglich einen Ăberblick zu behalten, ist es notwendig, ein Controlling aller Managementprozesse systematisch zu betreiben â eine Anforderung, die ein GroĂteil der kleinen Betreiber noch nicht vollstĂ€ndig akzeptiert hat.
Als letzten Punkt möchte ich noch die Vernetzung benennen. Bestimmte Themen lassen sich gemeinschaftlich erfolgreicher bearbeiten. Ein Hotelier in der Umgebung muss nicht ausschlieĂlich als Konkurrent gesehen werden. Durch die Vernetzung untereinander können Hoteliers Ressourcen bĂŒndeln â Ă€hnlich wie es in Kooperationen getan wird â und davon profitieren.
Worauf sollten sich kleine und mittelstÀndische Hotels konzentrieren, um zukunftsfÀhig zu werden?
Susanne Steppat: Im Moment sind die Digitalisierung und das Finden des optimalen Distributionsmixes in aller Munde. Klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. ZusÀtzlich werden die Hoteliers nicht um die Themen Sicherheit und Datenschutz herumkommen.
âServicequalitĂ€t weiterhin oberstes Gebotâ
Jedoch darf die Debatte ĂŒber die aktuellen Herausforderungen nicht verschleiern, dass Hotellerie ein Peopleâs Business ist. Es geht um den Gast mit seinen WĂŒnschen. Auch wenn ein straffes Kostenmanagement essenziell ist, darf das Erlebnis des Besuchers nicht leiden. Insofern ist die Sicherstellung und Verbesserung der ServicequalitĂ€t immer noch oberstes Gebot.Lesen Sie den zweiten Teil des Interviews mit Prof. von Freyberg hier auf ConsultingBay.
| Hospitality Consulting Prof. Dr. Burkhard von Freyberg, Dipl.-Kffr. Susanne Steppat FĂŒr die Hotellerie kann die professionelle UnterstĂŒtzung durch externe Beratung entscheidende Wettbewerbsvorteile bringen: Denn Digitalisierung, Markenkonzentration und sich Ă€ndernde GĂ€steerwartungen fordern die Branche heraus. Doch was kann Beratung hinsichtlich dieses Strukturwandels und des anstehenden Generationenwechsels leisten? Wie sehen erfolgreiche BeratungsansĂ€tze aus?
âein profunder Ăberblick ĂŒber das Angebot an Hotelberatungsunternehmen in Deutschland, auĂerdem ein Einblick in das SelbstverstĂ€ndnis und Aktionsfelder der Berater." Zur Vorauflage in: Allgemeine Hotel- und GaststĂ€ttenzeitung (AHGZ), 29.9.2012 |
(ESV/uw, mp)
Programmbereich: Management und Wirtschaft