Sie haben folgende Möglichkeiten:
  1. zum Login.
  2. zur Navigation.
  3. zum Inhalt der Seite.

Hotelexperten: Susanne Steppat und Prof. Burkhard von Freyberg (Fotos: Julia Bergmeister, Marc Stickler)
Nachgefragt bei: Prof. Dr. Burkhard von Freyberg und Susanne Steppat

Steppat: „Hoher Wettbewerbsdruck von Hotelketten auf die Individualanbieter”

ESV-Redaktion Management und Wirtschaft
06.02.2019
Neueste Trends und aktuelle Themen der Reisebranche, besonders in Bezug auf die Hotelbranche in Deutschland standen im Mittelpunkt des Interviews der ESV-Redaktion mit Susanne Steppat und Prof. Dr. Burkhard von Freyberg.
Vom 6. bis 10 MĂ€rz 2019 treffen sich wie jedes Jahr rund 170.000 Reise-Interessierte auf dem Berliner MessegelĂ€nde. Der parallele ITB-Kongress ist der weltweit grĂ¶ĂŸte Fachkongress der Branche, der das globale touristische Angebot von Adventure Travel, ĂŒber LGBT Travel bis hin zu Youth Travel von allen Seiten beleuchtet.

Frau Steppat, Herr von Freyberg, die ITB meldet bereits jetzt Ausbuchung und Ausstellerrekorde, insbesondere fĂŒr das Themensegment eTravel und Travel Technology. In welchem Maß bestimmen KĂŒnstliche Intelligenz, Distribution und ePayment die Hotelbranche heute und in Zukunft?

Susanne Steppat: Wir haben in den letzten Jahren aufgrund der rasanten technologischen Entwicklungen schon massive MarktverÀnderungen beobachten können, z. B. im Bereich der Distribution.

„Der Markt verĂ€ndert sich – und setzt Hoteliers massiv unter Druck“

Die Vermarktungshoheit hat sich stark verschoben und es sind Spieler wie booking.com oder Expedia auf den Markt gekommen, die diesen heute schon in weiten Teilen dominieren. Das setzt Hoteliers unter Druck. Es entsteht ein Zugzwang, welcher der Branche – die technologischen Entwicklungen traditionell skeptisch gegenĂŒbersteht – nicht behagt.

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg: Jedoch ist klar, dass sich dieser Trend nicht aufhalten lĂ€sst. Es heißt also, die Vorteile, welche digitale Technologien unbestritten bieten, also beispielsweise Effizienzgewinne  zu nutzen, wĂ€hrend die Herausforderungen wie Datenschutz, Sicherheit, Filtern des relevanten Know-hows usw. gemeistert werden mĂŒssen.

Problematisch ist hier, dass aufgrund der Unsicherheit ĂŒber die zukĂŒnftigen Entwicklungen und etwaiger Etablierung von Marktstandards gerade die Individualhotellerie eine abwartende Stellung einnimmt. Wie schnell die Hoteliers reagieren, kann aber ein entscheidender Erfolgsfaktor beim Meistern der digitalen Wende sein.

„Die ‚Vapianisierung‘ der Branche schreitet voran“

Die Konzentration von Markenhotels und Hotelketten prĂ€gt den deutschen Hotelmarkt. Lifestyle-Hotels sind auf dem Vormarsch, die auf den Wandel von GĂ€steansprĂŒchen reagieren. Was bedeutet dies fĂŒr den Privathotelier mit seinem seit Jahrzehnten familiengefĂŒhrten Hotel?

Susanne Steppat:
Der Wettbewerbsdruck von Hotelketten auf die Individualanbieter ist seit Jahren in der Branche zu spĂŒren. In den nĂ€chsten Jahren wird es auch die Ferienhotellerie spĂŒren, Die „Vapianisierung“ der Branche schreitet voran. Ketten profitieren von Skaleneffekten in einem Maße, wie es fĂŒr die Individualbetriebe niemals möglich wĂ€re.

Die logische Konsequenz ist, dass sich Individualanbieter in einer Art und Weise profilieren mĂŒssen, welche die Einzigartigkeit ihres Produktes unterstreicht, was den Gast ĂŒberzeugt, ein gewisses Preis-Premium zu akzeptieren. Dieser Differenzierungsstrategie folgen die Ketten nun aber mit den genannten Lifestyle-Hotels ebenfalls und versuchen erneut den Individualisten den Markt streitig zu machen.

„Individualhotels weiterhin konsequent StĂ€rken nutzen“

Gesagt werden muss allerdings, dass die Individualisierung in der Hardware des Produktes deutlich einfacher zu bewerkstelligen ist als in der Software. Individualhotels sollten also weiterhin konsequent versuchen, ihre StÀrken bei persönlicher Kundenansprache, Serviceexzellenz, dem Schaffen einzigartiger Erlebnisse und dadurch dem Aufbau von langfristigen Kundenbeziehungen zu nutzen.

Diplom-Kauffrau Susanne Steppat arbeitete nach ihrem Berufseinstieg zunĂ€chst als Consultant mit Stationen insbesondere bei der TREUGAST (zuletzt als Projektleiterin) und bei Jones Lang LaSalle Hotels mit Fokus auf Hotelimmobilien. Sie lehrte an der FakultĂ€t fĂŒr Tourismus der Hochschule MĂŒnchen und ist seit September 2012 Fachbereichsleiterin fĂŒr allgemeine Wirtschaftswissenschaften sowie fĂŒr Hospitality Management an der Fachhochschule Salzburg.

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg ist GeschĂ€ftsfĂŒhrender Gesellschafter des auf die Privathotellerie spezialisierten Beratungsunternehmens Zarges von Freyberg Hotel Consulting. Seit MĂ€rz 2009 hat er eine Professur fĂŒr Hospitality Management an der FakultĂ€t fĂŒr Tourismus der Hochschule MĂŒnchen inne. Vor der GrĂŒndung des eigenen Unternehmens war er u.a. mehrere Jahre bei der TREUGAST als Seniorberater tĂ€tig.
 

Was sind in diesem Kontext die hÀufigsten Fehler und VersÀumnisse der Privathoteliers und wie lassen sich diese vermeiden?

Susanne Steppat:
Die abwartende Haltung, die ich schon im Zusammenhang mit der ersten Frage erwĂ€hnt habe, ist sicherlich eines der grĂ¶ĂŸten Probleme. Themen mĂŒssen proaktiv und rechtzeitig angegangen werden. Das bedeutet natĂŒrlich auch, dass Ressourcen bereitgestellt werden mĂŒssen, was in der Individualhotellerie oft nicht einfach ist. Um diesbezĂŒglich einen Überblick zu behalten, ist es notwendig, ein Controlling aller Managementprozesse systematisch zu betreiben – eine Anforderung, die ein Großteil der kleinen Betreiber noch nicht vollstĂ€ndig akzeptiert hat.

Als letzten Punkt möchte ich noch die Vernetzung benennen. Bestimmte Themen lassen sich gemeinschaftlich erfolgreicher bearbeiten. Ein Hotelier in der Umgebung muss nicht ausschließlich als Konkurrent gesehen werden. Durch die Vernetzung untereinander können Hoteliers Ressourcen bĂŒndeln – Ă€hnlich wie es in Kooperationen getan wird – und davon profitieren.

Worauf sollten sich kleine und mittelstÀndische Hotels konzentrieren, um zukunftsfÀhig zu werden?

Susanne Steppat: Im Moment sind die Digitalisierung und das Finden des optimalen Distributionsmixes in aller Munde. Klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. ZusÀtzlich werden die Hoteliers nicht um die Themen Sicherheit und Datenschutz herumkommen.

„ServicequalitĂ€t weiterhin oberstes Gebot“

Jedoch darf die Debatte ĂŒber die aktuellen Herausforderungen nicht verschleiern, dass Hotellerie ein People‘s Business ist. Es geht um den Gast mit seinen WĂŒnschen. Auch wenn ein straffes Kostenmanagement essenziell ist, darf das Erlebnis des Besuchers nicht leiden. Insofern ist die Sicherstellung und Verbesserung der ServicequalitĂ€t immer noch oberstes Gebot.

Lesen Sie den zweiten Teil des Interviews mit Prof. von Freyberg hier auf ConsultingBay.

Hospitality Consulting

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg, Dipl.-Kffr. Susanne Steppat

FĂŒr die Hotellerie kann die professionelle UnterstĂŒtzung durch externe Beratung entscheidende Wettbewerbsvorteile bringen: Denn Digitalisierung, Markenkonzentration und sich Ă€ndernde GĂ€steerwartungen fordern die Branche heraus. Doch was kann Beratung hinsichtlich dieses Strukturwandels und des anstehenden Generationenwechsels leisten? Wie sehen erfolgreiche BeratungsansĂ€tze aus?

In der 2., umfassend aktualisierten Auflage des Buchs von Burkhard von Freyberg und Susanne Steppat gehen fĂŒhrende Vertreter der Hotellerie und renommierte Hotelberater diesen Fragen systematisch nach:

  • Alles zu Rolle und Leistung von Hotelberatungen sowie Anforderungen, Instrumente und Erfolgsfaktoren qualifizierter BeratertĂ€tigkeit
  • Spezifische Handlungsfelder anhand konkreter BeratungsfĂ€lle und ExperteneinschĂ€tzungen
  • Aktuelle Themen, z.B. Nachfolge in Familienbetrieben, Interims- und Turnaround-Management, Yield-Management

„ein profunder Überblick ĂŒber das Angebot an Hotelberatungsunternehmen in Deutschland, außerdem ein Einblick in das SelbstverstĂ€ndnis und Aktionsfelder der Berater." Zur Vorauflage in: Allgemeine Hotel- und GaststĂ€ttenzeitung (AHGZ), 29.9.2012


(ESV/uw, mp)

Programmbereich: Management und Wirtschaft