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Bunte und vielfältige Lernorte können das Lernern erleichtern (Foto: Nipawan, stock.adobe.com, generiert mit KI)
Auszug aus: „Fremdsprache Deutsch“

Vielfältige Lernorte als Möglichkeit des Spracherwerbs

ESV-Redaktion Philologie
27.04.2026
Wo lernen wir am besten? Ob im Klassenzimmer, in der Bibliothek, auf einer sonnigen Parkbank oder doch digital – es gibt unzählige Lernorte, die je ihre Vor- und Nachteile bringen. Auch Zeit, Lern- und Lehrmethoden und besonders andere Personen tragen zum Einfluss bei, den der gewählte Lernort auf unseren Spracherwerb hat. All das ist natürlich individuell und für jede und jeden sehr unterschiedlich, was für Lernende und Lehrenden wiederum bedeutet, dass es eben nicht den einen perfekten, besten Lernort gibt. Stattdessen können wir uns fragen, welche Möglichkeiten Lernenden durch vielfältige Lernorte eröffnet werden können.
Dieses Potenzial, das eine Vielfalt an Lernorten für den Spracherwerb hat, werden in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Fremdsprache Deutsch“ besprochen. Dabei liegt der Fokus auf den Aspekten von Authentizität, Ganzheitlichkeit und Adaptivität.

Lesen Sie im Folgenden einen Auszug aus der Einführung, in der die Heftherausgebenden Almut Ketzer-Nöltge und Mihaela Markovic die zentralen Themen von Heft 74 „Vielfältige Lernorte“ vorstellen:

Im Fachdiskurs gibt es für Vielfalt keine (einheitliche) Definition, dennoch wird der Begriff gerne verwendet, weil er im positiven Sinne die Spanne von Unterschieden innerhalb einer Gruppe, eines Systems oder eines Ortes betont – also die verschiedenen Teile eines Ganzen. Unweigerlich denkt man an bunte Farben, divers-gemischte Gruppen von Menschen, an Mehrsprachigkeit und an Teilhabe. Wir haben das Wort vielfältig für das vorliegende Heft gewählt, da es uns besonders um die verschiedenen Facetten geht, die Fremdsprachenlehren und -lernen so interessant machen. Stellen Sie sich einen Klassenraum vor, in dem alle Lernenden gleich aussehen, über die gleichen Erfahrungen verfügen, die gleichen Gedanken denken und dieselben Interessen haben. Wie eintönig wäre der Unterricht dann? Schließlich lebt das Fremdsprachenlernen von Kommunikation und vom gemeinsamen Austausch und das geht nur aufgrund unserer individuellen Erfahrungen und Perspektiven.
Gleichzeitig geht es uns in diesem Heft auch darum, wie wir als Lehrkräfte Unterricht vielfältig und damit abwechslungsreich gestalten können, sodass alle Lernenden sich gesehen fühlen und sich ausdrücken können – also in ihrer Vielfältigkeit abgeholt und wahrgenommen werden. Vielfalt und Heterogenität sind damit sowohl Herausforderung als auch Chance. Sie fordern uns als Lehrkräfte einerseits, unseren Unterricht anzupassen und flexibel zu gestalten, unterschiedliches Vorwissen, Voraussetzungen und Interessen der Lernenden einzubeziehen und Reibungen zwischen den Lernenden zuzulassen und zu moderieren. Andererseits führen sie auch dazu, dass wir voneinander lernen können. Unterschiedliche Sichtweisen können zu neuen Ideen, spannenden Begegnungen und Horizonterweiterung führen. Dafür brauchen wir aber Lernorte, die dies zulassen.

[…] Der erweiterte Lernortbegriff, der hier zugrunde gelegt wird, umfasst daher nicht nur physische, sondern auch digitale und hybride Szenarien und geht über die Raumdimension hinaus. Digitale Lernorte (vgl. Feick / Rymarczyk 2022) werden im Heft besonders hervorgehoben, da sie zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten und Potenziale für den Unterricht bieten. Lernen kann hier durch nichtlineare Lernpfade erfolgen, wie zum Beispiel durch hypertextuelle Verknüpfungen von Informationen (wie im Beitrag von Volk und Luger). Gleichzeitig bieten digitale Lernorte neue Möglichkeiten für Begegnungen, den Austausch von Erfahrungen und Perspektiven sowie für die Erweiterung und Modifikation von Wissen (vgl. Noller 2024, 21–22). Zudem werden durch den Einsatz von digitalen Medien Raum und Zeit zu flexiblen Gestaltungselementen. Zum Beispiel ermöglicht die Virtuelle Realität (VR) das Eintauchen in andere (virtuelle) Welten und Zeiten. Dadurch ist es Lernenden möglich, sich an mehreren (entweder virtuellen oder physischen) Orten gleichzeitig aufzuhalten und zwischen diesen zu wechseln (vgl. Feick / Rymarczyk 2022, 18). Um die Vielfältigkeit von Lernorten verständlich und praxisorientiert darzustellen, werden diese in den Beiträgen anhand von unterschiedlichen Dimensionen beschrieben.

Nachgefragt bei Almut Ketzer-Nöltge und Mihaela Markovic 22.04.2026
„Es ist wichtig, einen Unterricht zu gestalten, der Vielfalt zulässt“
Sprache wird an jeglichen unterschiedlichen Orten verwendet, die wir uns nur vorstellen können. So kann auch an das Lernen von Sprache herangegangen werden: Eine Vielfalt an verschiedensten Lernorten kann für den Spracherwerb nicht nur förderlich sein, sondern auch völlig neue Möglichkeiten bedeuten. Dabei können über das bekannte Klassenzimmer hinaus ungewöhnliche Orte wie das Schwimmbad, aber auch digitale Räume gemeint sein. mehr …

[...] Die Vielfältigkeit von Lernorten bietet für das Fach Deutsch als Fremdsprache (DaF) zahlreichem Gestaltungsmöglichkeiten für Lernprozesse. Dieses Themenheft beschäftigt sich mit der Frage, wie Lernorte didaktisch zielführend erweitert und in den Fremdsprachenunterricht integriert werden können. Es werden Unterrichtssettings vorgestellt, die den Klassen- oder Unterrichtsraum durch innovative und kreative methodisch-didaktische Umsetzungen erweitern.
Die vielfältigen Lernorte werden praxisnah beschrieben und es wird gezeigt, wie sie mediendidaktisch und methodisch gestaltet, umgesetzt und reflektiert werden können. Die Beiträge beschreiben konkrete Zielgruppen, Kontexte und die institutionellen Gegebenheiten von Lehr- und Lernsettings. Die Praxisbeispiele werden auch im Hinblick auf ihre Lernort-Erweiterung beschrieben, auf Basis passender, ausgewählter Dimensionen von Lernorten (angelehnt an Kurtz 2015, 109–111). Die Dimensionen umfassen Umgebung, Zeit, Personengruppen und Interaktion, Lehr- und Lernziele, die methodisch-didaktische Konzeption und die anschließende Reflexion.

[…] Die bekannte Metapher von Lernorten als »Fenster zur Welt« (Legutke 2025, 284) weist bereits auf deren zahlreiche Potenziale hin. Lernorte bieten die Möglichkeit für neue Interaktionen und Begegnungen und können Lernprozesse anregen, um neues Weltwissen zu erlangen oder Perspektiven zu erweitern. Neue Lerngelegenheiten, Kommunikationsanlässe und Lernprozesse öffnen die Türen des Fremdsprachenunterrichts und ermöglichen das Hereinkommen neuer Inhalte, Medien oder Interaktionen sowie das Verlassen des Unterrichtsraumes (physisch oder digital). Eine durchdachte Gestaltung und mediendidaktische Umsetzung von Lernorten bieten zahlreiche Potenziale für den Deutschunterricht. Im Themenheft fokussieren wir drei Potenziale: Authentizität, Ganzheitlichkeit und Adaptivität (d. h. Anpassbarkeit und Flexibilität). In den Beiträgen des Heftes werden diese Potenziale hervorgehoben und beispielhaft erläutert.

Zu den Herausgeberinnen

Almut Ketzer-Nöltge ist Professorin für Deutsch als Fremdsprache mit Schwerpunkt Spracherwerb in mehrsprachigen Kontexten an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind technikgestütztes Lehren und Lernen, kognitive Sprachverarbeitung und Lehrendenprofessionalisierung.

Mihaela Markovic ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Deutsch als Fremdsprache an der Ludwig-Maximilians-Universität München und setzt seit mehreren Jahren virtuelle Austausche in ihren Hochschulseminaren um. Sie ist Doktorandin am Herder-Institut der Universität Leipzig und promoviert zum Thema virtuelle Austausche im Fremdsprachenbereich. Sie war an der Konzeption und Umsetzung der Plattform VE-Collab beteiligt.


Fremdsprache Deutsch Heft 74 (2026): Vielfältige Lernorte

Wer Sprachen lehrt, baut Brücken zu neuen (Sprach-)Welten – und wer Sprachen lernt, betritt Räume, die nicht durch die vier Wände eines Klassenzimmers begrenzt sind. Das Themenheft „Vielfältige Lernorte“ zeigt, wie Sprachlehren und -lernen gelingen kann, wenn der Unterrichtsraum geöffnet und durch digitale, virtuelle und soziale Kontexte räumlich wie zeitlich erweitert wird. Denn gerade im Fach Deutsch als Fremdsprache eröffnen solche erweiterten Lernorte große Chancen und Potenziale: Sie ermöglichen authentische Begegnungen und reale Sprechanlässe, knüpfen an unterschiedliche Lebenswelten an und ergänzen den Unterricht um digitale und kreative Erfahrungen.
Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Beiträge, die zeigen, wie solche Settings gestaltet, umgesetzt und reflektiert werden können. Die Beispiele reichen von digitalen Stadtrallyes über Sprachencafés bis zu Visionen des schulischen Fremdsprachenlernens im Jahr 2050. Die Beiträge des Heftes beinhalten zudem umfangreiche multimediale Zusatzmaterialien (z. B. Podcasts, Video-Tutorials), ganz im Sinne eines erweiterten, dynamischen Verständnisses von (digitalem) Publizieren.
Das Heft lädt dazu ein, Lernorte neu zu denken und Sprache überall lebendig werden zu lassen.

Programmbereich: Deutsch als Fremdsprache