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Vom Büchertisch auf den Gabentisch (Foto: brankospejs – stock.adobe.com)

„... wenn wir damit noch zu Weihnachten herauskommen wollen.“

ESV-Redaktion Philologie/vh
12.12.2019
Auch im 19. Jahrhundert war das Buch ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Damals und heute sorgten sich die Autoren um die optimale Platzierung in der Buchhandlung und legten viel Wert darauf, dass ihr Buch rechtzeitig zu Weihnachten vorlag.
In dem kürzlich im Erich Schmidt Verlag erschienenen Briefwechsel zwischen Theodor Storm und seinem Verleger George Westermann kann man in vielen Briefen nachlesen, dass Theodor Storm durchaus um die Bedeutsamkeit des Weihnachtsgeschäftes wusste – und versuchte, passgenau zu liefern. Aber auch sein Verleger George Westermann drängelte bereits im Sommer auf eine pünktliche Manuskriptabgabe, da er um die Absatzsteigerung der Verlagstitel anlässlich des Weihnachtsfests wusste. Ein paar Beispiele haben wir hier für Sie zusammengestellt. Und falls Sie auf den Geschmack kommen, dann können Sie weitere Briefe zwischen Autor und Verleger in dem von Anne Petersen herausgegebenen Band „Theodor Storm – George Westermann. Briefwechsel. Kritische Ausgabe “ finden.

Husum 22 Dezbr 1868.
Geehrter Herr Westermann,
wenn ich aus meinem Bereiche urtheilen soll, so scheint unsre Gesammtausgabe allerdings einen durchschlagenden Erfolg zu haben; sie scheint vom Büchermarkt eins der namhaftesten Weihnachtsgeschenke zu sein; was denn, wie ich gern und freudig anerkenne, ebenso sehr Ihr Verdienst ist wie das meine. Da durch die Umst<ä>nde das Honorar ein verhältnißmäßig kleines ist und ich immer auf das Erscheinen der Gesammtausgabe für die Studienzeit meiner Jungens gerechnet habe, so würde eine kleine Folge von Auflagen mir das Leben allerdings sehr erleichtern; denn Michaelis werde ich schon Zwei auf der Universität haben.
[...] Nun noch die Bitte, der guten Tante Polko 1 geb. Exempl. Angesichts dieses für ihren Weihnachtstisch zu schicken. Für den Fall einer zu hoffenden 2tn Aufl. ziehen Sie es mir wohl von den desfallsigen Autor-Exemplaren ab; sonst berechnen Sie es mir wohl zum Netto-Preise. Und so wünsche ich Ihnen ein heiteres Weihnachtsfest im innigen Zusammenleben mit den Ihrigen. Auch wir hier sind recht behaglich mit dem Aufputz des Tannenbaums beschäftigt (conferatur „Unterm Tannenbaum“ sub 2.) da All das liebe Gesindel wohl ist, und auch von dem Tübinger Studiosus heitere Briefe einlaufen.
Mit herzlichem Gruß!
ThStorm.
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Husum, 12 Oktb. 1869.
Geehrter Herr Westermann!
[...]
Da nun Weihnachten wieder herankommt, so möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, ob Sie nicht dieß Mal auch ohne feste Bestellung gebundne Exl. (ungeb. werden gar nicht angesehn) der Ges. Ausg. an die solideren Sortiments-Buchhandlungen senden wollen. Es giebt so viele Menschen, die das kaufen, was Ihnen der Buchhändler auf dem Ladentisch präsentirt, ohne daß sie je selbst danach verlangen würden. Dieß ganze große Publicum fällt aus, wenn die Sachen nicht in optima forma vorliegen.
Wo ist denn aber dieß Jahr Ihre Bade-Reise geblieben? Sie werden unsrem Hause doch nicht vorbeigegangen sein ohne vorzusprechen?
Hochachtungsvoll
Ihr ergebenstr
ThStorm.
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Husum 14 Septbr 1870.
Geehrter Herr Westermann!
Für den Empfang der 200r quittirend, sage ich Ihnen für Ihr Eingehen auf meinen Vorschlag meinen freundlichen Dank.
Zugleich erlaube ich mir Ihnen, mit der Bitte um Rücksendung, einen mir gestern von dem Verfasser, Herrn Leeflang zu Utrecht, zugesandten Abdruck aus einer der ersten holländischen Zeitschriften, nebst dem Briefe desselben zuzusenden. Da der in 2 Fortsetzungen erschienene ausführliche Artikel über mich u. meine Sachen in der ausdrücklichen Absicht geschrieben ist, meinen Schriften in <H>olland Eingang zu verschaffen, wo nach des Vf’s Angabe alle gebildeten Familien Deutsch lesen, auch speciell auf unsere Gesammtausgabe hingewiesen wird, so möchte ich Ihnen anheimstellen, jetzt oder etwas weiter gegen Weihnachten für einen Vertrieb nach Holland etwas zu thun und insbesondre die Gesammtausgabe in der betreffenden u. den sonst bedeutendsten Zeitschriften dort zu annonciren.
Gegen Ende d. J. brachte dieselbe Zeitschrift, die nach Hrrn Leeflang’s Aeußerung sonst keine Uebersetzungen aufnimmt ausnahmsweise eine solche von „Marthe u. ihre Uhr“.
Ihr ergebenstr
ThStorm
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29. Aug. 1876.
Hochgeehrtester Herr!
Ich erlaube mir hierdurch, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß der Beginn der Satzarbeiten an der neuen Auflage Ihres Hausbuches nicht länger mehr verzögert werden darf, wenn wir damit noch zu Weihnachten herauskommen wollen. Da wir hier augenblicklich sehr mit Arbeiten bedrängt sind, so würde es mir angenehm sein wenn Sie mir recht bald Mittheilung über den Zeitpunkt machen wollten, zu welchem ich das Manusc erhalten kann, damit ich zeitig mit meinen Dispositionen beginne.
Hochachtungsvoll
George Westermann.
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Husum 30 Jan. 1874.
Herrn George Westermann.
[...]
Ich erlaube mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß Paetel’s einen besonders guten Erfolg daran verspürt haben, dß Sie die „Zerstr. Kapitel“ schon im April oder Mai erscheinen ließen; als dann Weihnachten herankam, war das Buch nicht nur den Sortimentsbuchhändlern sondern auch schon dem Publicum bekannt, so daß die Anregung, es zu Geschenken zu verwenden, dann von beiden Seiten ausgehen konnte. Es ist zu kommenden Weihnachten die Nothwendigkeit des Neudrucks als wahrscheinlich angenommen. Diese Aufl. beträgt 2000 Epl. In Bezug auf den Einband und Deckelpressung möchte ich auf „Die Rosenegger Romanzen“ v. Jul. v. d. Traun Wien 1874. Faesy u. Frick hinweisen.
Hochachtungsvoll
ThStorm.
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Wenn auch Sie noch nach einem passenden Geschenk zu Weihnachten suchen, dann haben wir sicher etwas im Programm. Wir empfehlen natürlich einen Band zu oder von Theodor Storm, beispielsweise die kommentierte Ausgabe von Storms Schimmelreiter.
Theodor Storm: Der Schimmelreiter. Eine kommentierte Leseausgabe
Herausgegeben von Gerd Eversberg

Theodor Storms Erfolgsnovelle „Der Schimmelreiter“ findet bis heute unter Literaturinteressierten viele Freunde. Sie möchten wissen, wo der Schimmelreiter entlang ritt, und nacherleben, wo und wie Storms bekannteste Gestalt gelebt und gewirkt hat. Die Landschaft an der Küste Nordfrieslands ist ohne den Deichbaumeister Hauke Haien und ohne den Spuk des gespenstischen Reiters für viele nicht mehr vorstellbar. Der Deichgraf Hauke Haien verkörpert für viele den Widerstand der Menschen an der Westküste Schleswig-Holsteins gegen die ständigen Angriffe der Nordsee. Sein neues Deichprofil und sein Scheitern werden seit dem Erscheinen von Storms Novelle im Jahre 1888 bis heute glorifiziert. Das Bild von Hauke Haien schillert zwischen einer charismatischen Führergestalt und eines faustischen Übermenschen, zwischen genialem Schöpfertum und tragischem Scheitern. Auf solche Interessen geht der Kommentar dieser Leseausgabe des "Schimmelreiters" ein; die von Storm während der Niederschrift vorgestellten Regionen Nordfrieslands und die von ihm beschriebenen historischen Ereignisse werden Schritt für Schritt erläutert. Storm inszenierte die Novellenhandlung in erfundenen Räumen, in denen er Personen auftreten lässt, deren Vorbilder aus der Geschichte Nordfrieslands stammen. Die Handlungsorte hat Storm bis ins Detail der Wirklichkeit nachgebildet, aber zugleich nach erzähllogischen Notwendigkeiten zu einem neuen Gesamtbild zusammengefügt. Storms berühmter "Schimmelreiter" wird mit dieser bibliophilen Leseausgabe erstmals durchgehend kommentiert und enthält sämtliche Radierungen von Alex Eckener.

 

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik