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Zeitschrift Deutsche Sprache 01/2019
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Paronyme: Vorsicht vor dem falschen Freund!

ESV-Redaktion Philologie
Eine Schiffsfahrt - oder Schifffahrt? -, die ist lustig (Foto: VRD/Fotolia.com)
Der Frühling steht vor der Tür und schon bald lockt es uns nach draußen an die frische Luft. Wie wäre es also mit einer Schifffahrt – oder heißt es richtig Schiffsfahrt?
Paronyme, also verwechselbare ähnliche Wörter, verunsichern nicht nur Fremdsprachenlernende, auch Muttersprachler/innen verzweifeln von Zeit zu Zeit an diesen sprachlich verwechselbaren Wortpaaren. „Das Gleiche“ beispielsweise ist noch lange nicht „dasselbe“. „Das Gleiche“ bedeutet, dass zwei unterschiedliche Dinge sich aufs Haar gleichen, während „dasselbe“ bedeutet, dass diese identisch sind. Geeignete Nachschlagewerke zu diesen sprachlichen Phänomenen fehlen bislang. Doch das Bedürfnis nach einer verlässlichen Quelle ist groß.

Das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim will Abhilfe schaffen und erstmalig ein Online-Paronym-Wörterbuch erstellen. Passend zu diesem aktuellen Thema der Linguistik erscheint nun im Erich Schmidt Verlag das Themenheft der Zeitschrift „Deutsche Sprache“ mit dem Titel „Paronymie im deutschen Sprachgebrauch“. Verschiedene Beiträge beschäftigen sich korpuslinguistisch mit der Frage, wie Paronyme des alltäglichen Sprachgebrauchs zu erfassen, zu beschreiben und mit Blick auf Sprachwandel sowie auf Zusammenhänge und Rivalitäten zu betrachten sind.

Lesen Sie hier einen Auszug des aktuellen Hefts der Zeitschrift „Deutsche Sprache“ aus dem Beitrag „Korpussemantische Einflussfaktoren auf Eigenschaften und Funktionen von Paronymen“ von Ruth M. Mell, Urlich Schnörch und Petra Storjohann:

Es gibt Paare, die sich in zahlreichen, aber nicht in allen Kontexten synonym verhalten; sportlich/sportiv beispielsweise nimmt Bezug auf Personencharakterisierungen, allerdings gibt es trotz großer semantischer Überlappungen klare Präferenzen hinsichtlich spezifischer Verwendungen des einen oder anderes Ausdrucks in verschiedenen Themenbereichen bzw. Sachdomänen. So gelten die als sportlich oder sportiv bezeichneten Personen grundsätzlich als körperlich fit, gesund und sehr athletisch.

Dennoch unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer kontextuellen Kollokatoren, die in den jeweiligen Verwendungsweisen vorkommen. Zu den mit
sportlich charakterisierten Personenbezeichnungen oder Erscheinungen zählen z. B. Figur, Fitness, Statur, Mann, Täter, Pensionär, die sich alle auf Personen und ihr Aussehen beziehen. Solche Kontexte finden sich vor allem in den Texten, die über Kriminalität und Polizeiarbeit berichten und Beschreibungen von Straftaten illustrieren […]. […] Sportiv hingegen bezieht sich auf allgemeine äußerliche Charakterisierungen von Menschen. Kollokatoren sind z. B. Typ, Menschen, Erscheinungen, Biker, Damen. Diese tauchen oft in Diskursen über Sport und Gesundheitsfragen auf […].

Englische Pragmatik 11.01.2019
Pragmatik: Sprechen bedeutet handeln
Linguistische Pragmatik untersucht kommunikative Handlungen, mit denen Menschen sich verständigen. Die Erforschung dieser Disziplin zeigt, wie wirkungsvoll und geschickt Sprache sein kann. mehr …

[…] Andere Paronyme, die gleichfalls Tendenzen zur unterschiedlichen thematisch-diskursiven Distribution aufweisen, trotzdem aber starke semantische Überlappungen aufweisen, sind u. a. regulatorisch/regulativ/regulierend. Die Gemeinsamkeiten beziehen sich auf Sachverhalte und Prozesse, die von allen drei Ausdrücken dahingehend näher charakterisiert werden, dass sie Abläufe und Entwicklungen steuern und in diese eingreifen (‚steuernd‘).

Für alle drei Adjektive gilt dies vor allem für politische Prozesse und Ereignisse.
Regulatorisch ist außerdem in Texten zu finden, in denen über Maßnahmen zur Steuerung von Prozessen in der Bank- und Finanzbranche berichtet wird (z. B. Anforderungen, Rahmenbedingungen, Vorgaben). Für die beiden anderen Ausdrücke kann der Gebrauch in solchen Themenbereichen nicht in gleichem Umfang nachgewiesen werden. Regulativ ist zusätzlich in philosophischen Kontexten belegt, vor allem im Zusammenhang mit dem Partnerwort Idee. Regulierend (z. B. Instanz, Funktion, Rolle, Gesetze, Vorschriften) zeigt in Bezug auf die thematische Verbreitung besonders weitgefächerte Kontexte und bezeichnet zusätzlich auch Institutionen als juristisch eingreifend und steuernd. Zusammenfassend ergibt sich folgendes Bild:

regulatorisch: Sachverhalte und Prozesse vor allem in Finanzwirtschaft und Politik;

regulativ: Sachverhalte und Prozesse vor allem in Politik;

regulierend: Sachverhalte, Prozesse und Institutionen im allgemeinen Kontext, in Justiz/Politik.

Insgesamt handelt es sich also um eine Gruppe, bei der die Adjektive ähnliche Konzepte bezeichnen und damit ähnliche referenzielle Bezüge vorweisen, aber in den bedeutungsgleichen Kontexten unterschiedliche thematisch-diskursive Präferenzen zeigen.

Deutsche Sprache

Herausgegeben im Auftrag des Instituts für Deutsche Sprache von Prof. Dr. Henning Lobin und Prof. Dr. Mechthild Habermann

Die Sprachwissenschaft, die sich zunehmend spezialisiert und in neuen Teildisziplinen verästelt, benötigt dringend ein Kommunikationsorgan, das die auseinanderstrebenden Forschungsfelder miteinander verknüpft. Die Zeitschrift Deutsche Sprache versteht sich als ein Forum für Sprachwissenschaftler des In- und Auslandes, in dem aktuelle Forschungsergebnisse der (germanistischen) Linguistik diskutiert und bekannt gemacht werden können.

Diese Zeitschrift bietet Ihnen
  • ein Forum für Sprachwissenschaftler des In- und Auslandes, das aktuelle Forschungsergebnisse der (germanistischen) Linguistik diskutiert und bekannt macht
  • ein Kommunikationsorgan, das die auseinanderstrebenden Forschungsfelder miteinander verknüpft

(ESV/Lh)

Programmbereich: Germanistik und Komparatistik

 
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