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Eine kurze Verlagsgeschichte in zehn Kapiteln



Kapitel II: Die dreißiger Jahre

Mit dem Börsenkrach am "Schwarzen Freitag" an der New Yorker Börse bricht auch über Europa eine der schwersten Wirtschaftskrisen dieses Jahrhunderts herein. Es kommt zu Konkursen, Preisverfall, Arbeitslosigkeit und Bankenzusammenbrüchen. Deutschland, das die Folgen des verlorenen 1. Weltkrieges noch nicht überwunden hat, ist besonders hart betroffen. Im Winter 1932/33 gibt es 6 Millionen Arbeitslose. Die sozialen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit werden in Berlin, damals Deutschlands größte Industriestadt, exemplarisch deutlich.

In die Couplets und Chansons der Berliner Künstler (u.a. Kurt Tucholsky, Walter Mehring, Kurt Weill, Friedrich Hollaender, Trude Hesterberg) mischen sich die politischen Kampfgesänge der Bevölkerung. Überfallartige Schießereien am hellichten Tage zwischen verfeindeten Parteien und politische Straßenmorde im Schutz der Dunkelheit gehören zur Berliner Tagesordnung.

Soziales Archiv

Dr. Erich Schmidt betreut seit 1922 zunächst den Bereich der Sozialpolitik in der damaligen Telegraphen-Union und übt leitende Funktionen bei sozialpolitischen Organisationen aus, u.a. auch die Leitung des Reichsverbandes deutscher Angestellter. 1932 wird er Abgeordneter für die Deutschnationale Volkspartei im Deutschen Reichstag.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten ihren politischen Sieg feiern, ist die Weimarer Republik gescheitert. Der Reichstagsbrand, der Boykott jüdischer Geschäfte und die Bücherverbrennung verdeutlichen die diktatorische Politik der neuen Machthaber.
Die Ereignisse haben auch auf die politischen Aktivitäten von Dr. Erich Schmidt große Auswirkungen: Er zieht einen Schlußstrich unter die nichtverlegerischen Tätigkeiten und konzentriert sich nunmehr völlig auf die Verlagsarbeit. Neben dem seit 1924 erscheinenden "Sozialpolitischen Nachrichtendienst", erfährt der Verlag durch die Herausgabe der "Berliner Briefe" im November 1933 seine erste Programmerweiterung. In ihnen wird das Tagesgeschehen offen oder mittelbar in Vergleich zu historischen Vorgängen gesetzt. Doch das zeitkritisch angelegte Organ ist unter den aktuellen Verhältnissen nur von kurzer Dauer: Das 1938 aus politischen Gründen von der Reichspressekammer verfügte Verbot beendet das Erscheinen.

Dr. Werner Weigelt
Dr. Werner Weigelt

Die noch heute für den Verlag wichtige Publikationsform des Loseblattwerkes wird im ESV erstmals Ende 1936 mit der Eröffnung des "Sozialen Archivs" entwickelt. Es unterrichtet seine Bezieher über alle auf arbeits- und sozialrechtlichem Gebiet anfallenden Fragen. Ab 1937/38 erfolgt der Ausbau über die sozialrechtlichen Themen hinaus. Dabei steht zunächst der Bereich Verkehrsrecht im Vordergrund, z.B. mit dem von Dr. Werner Weigelt begründetet und noch heute erscheinenden Werk "Kraftverkehrsrecht von A-Z" und dem "Kommentar zur Eisenbahn-Verkehrsordnung (EVO)". 1938 erscheinen die ersten wirtschafts- und steuerrechtlichen Titel, zu denen auch das noch heute erscheinende Loseblattwerk "Steuerrecht von A - Z" gehört.

Mit dem Ausbau des Verlagsprogramms über die Gebiete der Sozialpolitik und des Sozialrechts hinaus ändert der Verlag auch seinen seit 1925 geführten Namen "Sozialpolitischer Nachrichtendienst". Er firmiert seit Ende 1939 unter der Bezeichnung Erich Schmidt Verlag, Berlin und Leipzig.

Als am 1.9.1939 mit dem deutschen Angriff auf Polen der 2. Weltkrieg ausbricht, sind viele in Berlin lebende Prominente wie Albert Einstein, Lion Feuchtwanger und Kurt Tucholsky bereits aus Deutschland emigriert.

 
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